(Ver-)Strahlt

Greenpeace: Sellafield entwickelt sich zum schleichenden Tschernobyl

Derzeit rollt wieder ein Castor-Transport von Deutschland in die britische Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace protestiert dagegen und wird nicht müde zu betonen, dass es in Sellafield erhebliche Sicherheitsrisiken gibt.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace protestiert seit heute morgen erneut gegen den bevorstehenden Atomtransport aus den Kraftwerken Biblis (Hessen) und Neckarwestheim (Baden-Württemberg) in die Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield. Etwa zwanzig Umweltschützer hatten auf dem Weinberg, der gegenüber dem Verladebahnhof im baden-württembergischen Walheim liegt, ein weithin sichtbares über 100 Quadratmeter großes Transparent mit der Aufschrift "Stop Sellafield" entrollt.


Schon seit mehreren Jahren weist Greenpeace darauf hin, dass die Atomanlage Sellafield seit Inbetriebnahme vor fast fünfzig Jahren viele langlebige radioaktive Substanzen freisetzt. "Sellafield ist das schleichende Tschernobyl," erklärt Veit Bürger, Energieexperte von Greenpeace. "Das Unglück hatte die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt. Dass Sellafield aber eine ebenso gravierende Umweltkatastrophe ist bei der nachweislich Menschen zu Schaden kommen, nehmen die Betreiber der Atomanlagen einfach in Kauf. Für sie ist es die Hauptsache, dass der Atommüll von der eigenen Haustür wegkommt." Greenpeace-Messungen von 1998 ergaben, dass Bodenproben aus der Umgebung der Atomanlage Sellafield vergleichbar radioaktiv verseucht sind wie die 30 Kilometer-Sperrzone um den Katastrophenreaktor. Eine Untersuchung im Auftrag des britischen Gesundheitsministeriums 1997 über 3300 Jugendlichen in Großbritannien und Irland ergab Spuren von Plutonium und Strontium in ihren Zähnen. Veit Bürger: "Fast jede Woche genehmigt die Bundesregierung neue Atomtransporte in die sogenannte Wiederaufarbeitung. Insgesamt sollen noch etwa 2000 Tonnen Atommüll nach Frankreich und England geliefert werden. Ziel der Energiekonzerne ist es, die Atomtransporte in Deutschland wieder zur Routine werden zu lassen. Greenpeace ruft dazu auf, friedlich dagegen zu protestieren."