Ohne Genehmigung

Greenpeace: Illegale Plutonium-Transporte von Hanau nach Frankreich

Nach Informationen der Umweltschutzorganisation Greenpeace soll heute eine hochgiftige Plutonium-Mischoxidladung die stillgelegte Brennelementefabrik im hessischen Hanau verlassen. Da die französische Wiederaufarbeitungsanlagen für die Aufarbeitung keine Genehmigung erhalten hat, ist dieser Transport nach Ansicht der Aktivisten illegal.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Eine hochgiftige Plutonium-Mischoxidladung soll nach Informationen der Umweltschutzorganisation Greenpeace heute die stillgelegte Brennelementefabrik im hessischen Hanau verlassen. Der Transport in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ist nach Greenpeace-Angaben illegal: La Hague hat für die Aufarbeitung dieses Atommülls keine Genehmigung erhalten.

Die Ladung, die per LKW über die Autobahn gefahren werden soll, enthält 60 Kilogramm bombenfähiges Plutonium. Greenpeace-Aktivisten haben heute Morgen vor der Fabrik in Hanau gegen den Transport protestiert. Sie hielten ein Transparent mit der Aufschrift "Plutonium-Transporte: gefährlich und illegal". Greenpeace fordert, den Atommüll in Hanau zu lagern, bis eine Lösung für das gesamte Atommüllproblem gefunden ist. "Es ist unnötig und verantwortungslos, die tödliche Fracht tausend Kilometer quer durch Westeuropa zu fahren", sagt Mathias Edler, Atomexperte von Greenpeace. "Wird bei einem Unfall radioaktives Plutonium freigesetzt, sind die Bewohner entlang der Transportstrecke lebensgefährlich bedroht." Das Einatmen von einem Millionstel Gramm des hochgiftigen Materials kann tödlich sein.

Die französische Atomaufsichtsbehörde DSIN bestätigte im Februar 2001 schriftlich, dass Cogema, die Betreiberfirma von La Hague, keine Genehmigung für die Aufarbeitung der Mischoxid-Elemente (Mox) besitzt. Der Import von Atommüll zu anderen Zwecken ist jedoch in Frankreich seit 1992 verboten. Umweltgruppen klagten daher im Februar 2001 gegen die Verschiebung des Hanauer Atommülls nach Frankreich. Voraussichtlich im Herbst wird ein französisches Gericht in Cherbourg darüber entscheiden, ob die Cogema ausländischen Atommüll importieren darf, für den sie keine Genehmigung zur Aufarbeitung besitzt.

Die Plutonium-Mox-Elemente haben eine niedrige Qualität und sind für den Einsatz im Reaktor ungeeignet. Sie werden im Rahmen des "Leerfahrbetriebs" in der Hanauer Mox-Fabrik produziert, um den dort vorhandenen Rest an Plutonium in einen stabilen, lagerfähigen Zustand zu bringen. Bis 1991 stellte Siemens in dem Werk Mox-Brennelemente für deutsche Atomkraftwerke her, 1995 wurde das Werk offiziell still gelegt.