Greenpeace gegen HEW

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com
Greenpeace legt heute Beschwerde beim Bundeskartellamt gegen die Hamburgischen Electricitätswerke (HEW) ein. Der Grund: Durch unbegründete Auflagen verteuern die HEW die Lieferung von Strom aus umweltfreundlichen Anlagen in Nord- und Süddeutschland an Greenpeace. Jörg Feddern, Energieexperte von Greenpeace: " Aus Angst, mehr und mehr umweltbewusste Kunden an Anbieter von Ökostrom zu verlieren, greifen die HEW zu unlauteren Methoden."


Die Lieferung des sauberen Stroms wird von den HEW gleich mehrfach behindert: Der Stromkonzern besteht noch immer auf einer entfernungsabhängigen Gebühr für die Durchleitung des Ökostroms von Süddeutschland nach Hamburg, obwohl physikalisch überhaupt kein Strom "durchgeleitet" wird. Die Strom-Maut kostet 12,4 Pfennig pro Kilowattstunde (kWh), mehr als ein Drittel des Gesamtpreises von 34
Pf/kWh. Die HEW weigern sich, aktuelle Daten über den Greenpeace-Stromverbrauch an die neuen Stromlieferanten weiter zu geben, obwohl die nötigen technischen Voraussetzungen vorhanden sind. Diese Daten aber sind notwendig, um eine Forderung der HEW zu erfüllen: den Strom zeitgleich zum Verbrauch einzuspeisen. Stattdessen werden die Ökostrom-Lieferanten gezwungen, ein technisch völlig überflüssigen Messgerätes in der Greenpeace-Zentrale einzubauen. Kosten: 600 bis 700 DM. Die HEW bestehen darauf, im Notfall selbst teuren Reservestrom zu liefern, obwohl die Ökostromanbieter ausreichend Reservekapazitäten bereitstellen, die eine Vollversorgung garantieren. Das heißt: Greenpeace soll teurer Atomstrom aufgedrängt werden, obwohl es dazu keine technische Veranlassung gibt.


Besonders die hohe HEW-Durchleitungsgebühr von 12,4 Pf/kWh ist für Greenpeace unverständlich. Denn neue Billigstrom-Anbieter wie "Yello-Strom" werben bundesweit mit Strompreisen von 19 Pf/kWh. Das bedeutet: entweder zahlt "Yellow-Strom" deutlich dazu oder sie erhalten von den HEW einen viel niedrigeren Durchleitungspreis als die Ökostrom-Anbieter. Auch diesen Punkt will Greenpeace mit der Beschwerde beim Bundeskartellamt klären.


Jörg Feddern: "Mit kostspieligen Schikanen nutzen die HEW ihre marktbeherrschende Position wettbewerbswidrig aus. Deshalb erhoffen wir uns vom Bundeskartellamt einen klaren Spruch, der bundesweit Konsequenzen hat. Die Regeln für einen freien und fairen Stromwettbewerb dürfen nicht die wenigen großen Stromkonzerne bestimmen, die kleinere Stadtwerke und Ökostrom-Anbieter platt machen
wollen."


Greenpeace hatte im Frühjahr den Vertrag mit den HEW, die 80 Prozent ihres Stroms in Atomkraftwerken produzieren, zum 1. Juli gekündigt. Seitdem liefert eine Versorgergemeinschaft aus den Stadtwerken Schwäbisch Hall, der Ökostrom Handels AG Hamburg und der NEVAG Wiesbaden sauberen Strom. "Sauberer Strom" ist nach Greenpeace-Definition Strom ohne Atom- und Kohlestrom, der zu mindestens 50 Prozent aus regenerativen Anlagen und zu 50 Prozent aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) stammt und dessen Produktion damit zwei Drittel weniger CO2-Emissionen erzeugt als herkömmlicher Strom.


(ots)