Greenpeace fordert nach Störfall in Sellafield Stopp aller Atomtransporte nach England

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com
Einem Bericht der englischen Tageszeitung "Observer" zufolge (Ausgabe vom Sonntag) hat sich in der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield erneut ein Störfall ereignet. Vor diesem Hintergrund fordert die Umweltschutzorganisation Greenpeace die Bundesregierung auf, "unverzüglich alle geplanten Atomtransporte nach England zu stoppen".



Laut Zeitungsbericht kam es bereits am 26. Januar in der Atomanlage im Nordwesten Englands zu einer Panne, die katastrophale Folgen hätte haben können. In mehreren Behältern mit flüssig-radioaktiven Abfällen stieg demnach die Konzentration explosiver Gase wie Wasserstoff, nachdem die Lüftung ausgesetzt hatte. Die Arbeiter in der Anlage hätten die Panne zunächst nicht ernst genommen und erst mit zweieinhalbstündiger Verzögerung auf die Warnsignale reagiert.



"Die Explosion der Abfalltanks ist der schlimmste denkbare Unfall in einer Wiederaufarbeitungsanlage. Eine solche Explosion würde weite Teile Großbritanniens radioaktiv verseuchen", so Susanne Ochse, Energieexpertin bei Greenpeace. "Wer jetzt nicht aufwacht und trotzdem weiter Atommüll nach Sellafield liefert, dem sind die Gefahren für Mensch und Natur offenbar egal", so ihr Vorwurf.



Die Behälter gehören zu den sensibelsten Teilen der Atomanlage, da die flüssige Masse ständig gekühlt werden muss, damit sich ein Behälter nicht zu sehr aufheizt und explodiert. In den Tanks können bis zu 1500 Tonnen Atommüll gelagert werden, so Greenpeace; der flüssige Strahlenmüll soll rund 30mal mehr radioaktives Cäsium 137 enthalten als dies im Kern des Unglücksreaktors von Tschernobyl der Fall war.



Der älteste der insgesamt 21 Tanks sei seit mehr als vierzig Jahren in Betrieb, warnt Greenpeace. Im Februar vergangenen Jahres hatte die britische Atomaufsicht die Betreiberfirma BNFL scharf für die Vernachlässigung der gefährlichen Abfälle kritisiert und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gefordert.



Nur vier Tage vor der Panne hatte das Atomkraftwerk Neckarwestheim grünes Licht von der Bundesregierung bekommen, die Transporte von Atommüll nach Sellafield wieder aufzunehmen. Über 700 Tonnen sollen laut Vereinbarung mit der Atomindustrie insgesamt noch aus deutschen AKWs nach Sellafield gebracht werden. Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte drei Tage vor dem Störfall in einem Schreiben an Greenpeace erklärt, er würde sich auf die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb der Wiederaufarbeitungsanlage verlassen.