Protest

Greenpeace demonstriert mit zwölf leeren "Castoren" in Berlin

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat heute vor der Berliner Parteizentrale von Bündnis 90/Die Grünen mit einem Dutzend aus Holz gebauter Castoren demonstriert: "Das Atommüll-Problem muss in Berlin gelöst werden und nicht im Wendland". Das Zwischenlager Gorleben, befürchtet Greenpeace, werde zunehmend als Endlager zementiert.

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Mit Schwertransportern haben Greenpeace-Aktivisten heute zwölf aus Holz gebaute Castorbehälter nach Berlin gebracht. Die 40 Umweltschützer transportierten die originalgroßen, freilich leeren Atommüll-Behälter bis vor die Parteizentrale von Bündnis90/Die Grünen.

Über den zwölf LKW steht auf einem Banner: "Rot-grüne Atompolitik macht Gorleben zum Endlager. Stoppt Castortransporte ins Wendland!". Mit dem symbolischen Atommülltransport nach Berlin will Greenpeace darauf aufmerksam machen, dass die rot-grüne Bundesregierung mit dem zeitgleich stattfindenden Castortransport aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague in das Zwischenlager nach Gorleben den dortigen Salzstock "als Endlager zementiert".

"Wir bringen das Atommüllproblem dahin, wo es hingehört: zu den verantwortlichen Politikern in Berlin", erklärt Sven Teske, Greenpeace-Energieexperte in Berlin. "Rot-Grün redet vom Atomausstieg und gleichzeitig bleiben die Atomkraftwerke am Netz, die Plutoniumproduktion geht weiter und der Atommüll landet schließlich im Zwischenlager Gorleben."

Aus den Plutoniumfabriken in Frankreich und Großbritannien sollen ab dem kommenden Jahr noch 135 Castorbehälter mit radioaktivem Müll nach Gorleben transportiert werden, heißt es bei Greenpeace. "Wenn erst mal mehr als Hundert Castorbehälter im Zwischenlager stehen, wird keine Regierung der Welt sie dort wieder wegfahren. Dann wird der hochradioaktive Müll nach dem Motto 'Vergraben und Vergessen' doch noch im unsicheren Salzstock Gorleben verbuddelt", sagt Teske.

Geschichtliches: "Die Ostzonalen mal schön ärgern"

Die Entscheidung, den Salzstock in Gorleben zum Atommülllager auszubauen, wurde 1977 vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) getroffen - angeblich nicht aus geologischen, sondern aus rein politischen Gründen und übrigens entgegen die Empfehlungen der wissenschaftlichen Findungskommission. Dem Vernehmen nach sprach sich Albrecht sinngemäß mit den Worten "Da werden sich die Ostzonalen schön ärgern" für den Standort an der Grenze zur einstigen DDR aus. Das zumindest sagte einmal Professor Gerd Lüttig, der innerhalb der Findungskommission für die Auswahl der Salzstöcke zuständig war. Weit vor Gorleben hatte Lüttig Lichtenhorst, Lutterloh und Wahn favorisiert.

Greenpeace warnt nun davor, dass schon die erste Erkundung des Salzstocks von 1979 bis 1981 ergeben habe, dass er Kontakt zu Grundwasser führenden Bodenschichten aufweist und die hochgiftigen radioaktiven Spaltprodukte nicht für Hunderttausende von Jahren vor der Biosphäre abschirmen kann.