Protest gegen Atomkraft

Greenpeace bringt Tschernobyl-Erde nach Berlin (Upd.)

Eine Greenpeace-Aktion hat am Mittwoch in Berlin für einen Polizeieinsatz gesorgt. Mit einem Fass Erde "aus dem Umfeld von Tschernobyl" hat die Umweltschutzorganisation vor einem Kongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gegen den Wiedereinstieg in die Atomenenergie protestiert.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp-bln/red) - Vor dem Berliner Hotel Intercontinental, in dem ein Kongress der Energiewirtschaft tagte, fuhren die Umweltschützer mit mehreren Lkw vor und luden rund 35 Fässer ab. In einem davon sollte sich Greenpeace-Angaben zufolge "Erde aus dem Umfeld von Tschernobyl" befinden. Zudem ketteten sich mehrere Protestierer mit Handschellen an die Behälter und blockierten so den Haupteingang des Hotels. Daraufhin wurde die Polizei gerufen.

Mit der Aktion wollte Greenpeace eigenen Angaben zufolge gegen "den Schulterschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Stromindustrie für einen Wiedereinstieg in die Atomkraft" protestieren. Die Kanzlerin sprach am Nachmittag auf dem Kongress des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Fässer werden auf Radioaktivität geprüft

Beamte entfernten dem Polizeisprecher zufolge die Fässer aus dem Eingangsbereich des Hotels. Die gelben Behälter mit der Aufschrift "Stoppt Merkels Atomdeal" wurden den Angaben zufolge vom Dezernat für Umweltdelikte beschlagnahmt, um eventuelle Kontaminationen auszuschließen. Sie sollen im Helmholtz-Zentrum Berlin auf eine eventuelle radioaktive Belastung untersucht werden. Greenpeace erklärte, dass die radioaktiv belastete Walderde aus der Ukraine von einem Ort außerhalb der verbotenen Zone nahe dem Reaktorgelände von Tschernobyl stamme. Dort hatte es 1986 eine verheerende Reaktorkatastrophe gegeben.

Die protestierenden Greenpeace-Aktivisten verließen den Platz vor dem Tagungsort der Energiewirtschaft sowie ein Flachdach des Hotels erst am Nachmittag, nachdem Polizeibeamte Platzverweise ausgesprochen hatte. "Als Warnung vor den Risiken der Atomkraft" hatten sie zuvor als "Strahlenopfer" stundenlang auf dem Boden gelegen. Zeitweise heulte dazu eine Luftschutzsirene. Die Polizei beabsichtigte zunächst, die Aktivisten notfalls wegzutragen. Sie seien dann jedoch bereit gewesen, von selbst zu gehen, allerdings in Begleitung von Beamten, sagte der Polizeisprecher. Gegen die Teilnehmer des Protests werde wegen Hausfriedensbruchs und des Verdachts des unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Stoffen ermittelt.

Protest gegen Atomkraft

Der BDEW-Kongress steht unter der Überschrift "Zukunft gestalten - Investitionen in Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit". Greenpeace wollte mit der Aktion eigenen Angaben zufolge gegen "den Schulterschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Stromindustrie für einen Wiedereinstieg in die Atomkraft protestieren". Die Umweltaktivisten warnen vor einem "schmutzigen Deal zum Schaden Deutschlands". Die Verantwortlichen wollten "alte und unsichere Reaktoren länger laufen lassen und die erneuerbaren Energien zurückdrängen".