Studie

Greenpeace bezeichnet EnBW als Sanierungsfall

Der Energiekonzern EnBW ist laut einer von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie zu stark von Atom- und Kohlekraftwerken abhängig. Ohne eine "konsequente Neuausrichtung" des Geschäftsmodells drohe der Stromanbieter zum Sanierungsfall zu werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (dapd/red) - Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse das Unternehmen stärker auf erneuerbare Energiequellen setzen. Ansonsten drohe dem Stromanbieter und seinem Miteigentümer, dem Land Baden-Württemberg, ein finanzielles Fiasko, erklärte ein Sprecher von Greenpeace am Mittwoch in Stuttgart.

Die EnBW-Führung halte an einem Geschäftsmodell aus den 70er Jahren fest, sagte der Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling. Die vier Atomkraftwerke (AKW) in Neckarwestheim und Philippsburg trügen zu über 50 Prozent der Gewinne des Konzerns bei. Der Anteil erneuerbarer Energiequellen am Erzeugungsmix von EnBW liege bei nur 0,4 Prozent.

Die Studie empfehlt dem Energiekonzern daher eine Neuausrichtung. So könne EnBW in Zukunft etwa als Infrastrukturdienstleister die Strom- und Gasnetze im Land betreiben, ausgewählte Regionen mit Energie versorgen, Strom und Gas national vertreiben und zusätzlich regional Strom aus regenerativen Energiequellen erzeugen.

EnBW wies die Darstellung, dass das Unternehmen durch das Abfahren des AKW Neckarwestheim ein Sanierungsfall werde, als absurd und völlig abwegig zurück. Das Unternehmen werde in einigen Wochen den ersten Offshore-Windpark in Deutschland in Betrieb nehmen, der Neubau des Wasserkraftwerks Rheinfelden sei nahezu abgeschlossen. Auch künftig wolle der Konzern den Schwerpunkt auf Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz legen.

Nach dem Aus für das AKW Neckarwestheim I und der vorläufigen Stilllegung von Philippsburg I war am Mittwoch erneut ein Streit über die Beteiligung des Landes am Stromanbieter EnBW entbrannt. Die Grünen bezeichneten den Wiedereinstieg des Landes bei EnBW als wirtschaftlich fragwürdig. Die Landesregierung wies die Vorwürfe zurück und verteidigte die Beteiligung. Gleichzeitig räumte die FDP allerdings ein, dass sich die Vorzeichen für einen Wiederverkauf der Aktien durch die Wende in der Atompolitik geändert hätten.