Stilllegung gefordert

Greenpeace besetzt Reaktorkuppel von AKW Unterweser

Greenpeace-Aktivisten haben am frühen Montagmorgen eine Protestaktion am Atomkraftwerk Unterweser in Niedersachsen gestartet. Etwa 30 Personen seien auf die etwa 60 Meter hohe Kuppel geklettert. Unter anderem entrollten die Aktivisten auf der Kuppel ein Banner mit der Aufschrift "Atomkraft schadet Deutschland".

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Nordenham (ddp/red) - Nach Polizeiangaben hatten am frühen Morgen zunächst 60 Aktivisten die Absperrzäune des Reaktorgeländes überwunden und sich "widerrechtlich Zutritt zum äußeren Sicherungsbereich" des Kernkraftwerkes im Landkreis Wesermarsch verschafft. Etwa die Hälfte von ihnen habe, von der Polizei begleitet, das Gelände wieder verlassen.

Am Nachmittag begann die Polizei schließlich mit der Räumung der Kuppel. Die Aktivisten hätten sich "kontrolliert" von der Kuppel abgeseilt, sagte die Polizeisprecherin. Teilweise wurden sie dabei von der Polizei unterstützt. Gegen 17 Uhr waren so bereits zwei Drittel der Personen von der Kuppel geholt. Nach Angaben von Greenpeace und der Polizei verlief die Räumungsaktion absolut friedlich und gewaltfrei.

Auf "tödliche Gefahr" Aufmerksam machen

Mit dem Protest soll laut Greenpeace auf die "tödliche Gefahr" aufmerksam gemacht werden, die von Atomkraftwerken ausgehe. Gefordert werde die sofortige Stilllegung des in den 70er Jahren gebauten Reaktors des Energieversorgers E.ON und weiterer sechs deutscher Atomkraftwerke. Keiner dieser sieben Reaktoren sei derzeit ausreichend gegen einen Flugzeugabsturz oder einen terroristischen Anschlag aus der Luft geschützt, hieß es in einer Mitteilung.

Kernkraftwerk läuft ungestört weiter

Laut dem Betreiber E.ON sei das Eindringen auf das Gelände vorschriftsmäßig von einem sogenannten Detektionszaun erkannt worden. Durch ein gestaffeltes Sicherheitskonzept sei das Vordringen in sicherheitstechnisch relevante Bereiche verhindert worden. Da die Eindringlinge eindeutig als Umweltaktivisten erkannt worden seien, habe das Unternehmen auf eine Räumung der Kuppel verzichtet. Das Kernkraftwerk laufe weiterhin ungestört im Volllastbetrieb, hieß es. Am Mittag befanden sich immer noch rund 20 Aktivisten auf der Kuppel und brachten dort symbolisch einen Totenkopf an.

Polizei: Zwangsräumung nicht nötig

Die Polizei wollte am Montag keine Angaben über ihr weiteres Vorgehen machen, da die Aktivisten sehr gut vernetzt seien und somit informiert würden. Allerdings machte die Polizeisprecherin klar, dass es den Aktivisten vor allem darum ginge, "Öffentlichkeit" zu erzielen. "Und die haben sie erreicht", sagte sie. Eine Zwangsräumung sei deswegen nicht unbedingt erforderlich.

Greenpeace machte allerdings klar, dass die Aktion auch gezeigt habe, wie schnell man auf das Gelände eines Atomkraftwerks gelangen kann. Die Gefahren seien "Fakten, die dargestellt werden" müssten. "Trotz des tödlichen Risikos, das von den älteren Atomkraftwerken wie Unterweser ausgeht, plant die Politik eine Laufzeitverlängerung für diese Meiler", kritisierte ein Sprecher. Die Gefährdung der Menschen würde von den Politikern zugunsten des Profits verharmlost.

Eines der größten AKW in Deutschland

E.ON wollte noch am Montag das Ausmaß der Sachbeschädigung durch die Aktion prüfen. Das Atomkraftwerk Unterweser zählt mit einer elektrischen Leistung von 1410 Megawatt zu einem der größten in Deutschland. Der Reaktor war 1979 in Betrieb gegangen.

Bislang gab es im Atomkraftwerk Unterweser mehr als 320 meldepflichtige Ereignisse. 1998 ging der Reaktor nach einer Reparatur aus Versehen mit gesperrten Sicherheitsventilen an einer Hauptdampfleitung in Betrieb. 1999 führte ein Leck an einem Stutzen der Hauptkühlmittelleitung zu erhöhter Radioaktivität in den Kraftwerksräumen, der Reaktor musste abgeschaltet werden.