Zwischenfall

Greenpeace-Bergsteigerin nach Protestaktion verletzt (Upd.)

Eine Aktivistin der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist am Donnerstagabend nach einer Protestaktion erheblich verletzt worden. Hintergrund der Aktion ist das Vorhaben des Hamburger Senats, im Stadtteil Moorburg ein Kohlekraftwerk zu bauen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Die Bergsteigerin war bei der Bergung eines 15 mal 15 Meter großen Banners bei stürmischem Wind von einer Bö erfasst und gegen die Fassade geschleudert worden. Nach ersten Erkenntnissen soll sie dabei Knochenbrüche erlitten haben. Ein Greenpeace-Sprecher bestätigte auf ddp-Anfrage, dass einer der Kletterer verletzt sei. Es handle sich um eine 23-Jährige, die sich eine Kniescheibe und ein Sprunggelenk gebrochen habe.

Der Rettungsdienst der Hamburger Feuerwehr war mit Höhenrettern vor Ort. Die Verletzte wurde von Kameraden durch ein Fenster des Hotelhochhauses geborgen. Die Verletzte wurde ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gebracht und musste noch am späten Abend operiert werden.

In einer dramatischen Aktion hatten die Aktivisten bei Dunkelheit trotz des stürmischen Windes versucht, das Banner von der Hotelfront einzuholen. Dabei wurde die riesige Plane teilweise losgerissen. Plötzlich frei an der über zahlreiche Stockwerke reichenden Leine hängend, wurde die Aktivistin in großem Bogen durch die Luft gegen die Außenwand geschleudert. Die Polizei rückte mit zahlreichen Einsatzfahrzeugen an.

Greenpeace-Kletterer hatten am Nachmittag aus Protest gegen den Bau eines neuen Kohlegroßkraftwerks in Hamburg das Hotelgebäude in der Innenstadt erklommen und das Banner an der Fassade entrollt. Das Hotel befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Congress Centrums Hamburg (CCH). Dort fand am Abend die Abschlussveranstaltung des CDU-Wahlkampfs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bürgermeister Ole von Beust (beide CDU) zur Bürgerschaftswahl statt.

Hintergrund der Aktion ist das Vorhaben des CDU-geführten Senats, im Hamburger Stadtteil Moorburg ein Kohlekraftwerk zu bauen. Greenpeace kritisiert, dass das Kraftwerk jährlich 8,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid produzieren und damit den CO2-Ausstoß in der Hansestadt um 70 Prozent erhöhen würde.

Die Aktion hat im Übrigen ein juristisches Nachspiel. Das Hotel habe gegen die Beteiligten eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs erstattet, teilte ein Sprecher der Hamburger Polizei am Freitag auf Anfrage mit. Zusätzlich hätten die Beamten die Personalien der deutschen und ausländischen Umweltschützer aufgenommen. In einem Fall habe eine Sicherheitsleistung erbracht werden müssen.