Standpunkt

Greenpeace: Atomtransport zeigt Dilemma der Atommüll-Entsorgung

Derzeit rollt der bisher größte deutsche Transport abgebrannter Brennelemente von Kraftwerken in Deutschland in Richtung der Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und England. Greenpeace nutzt das für einen Rund-umschlag gegen die rot-grüne Atompolitik.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Mit dem heutigen größten Atomtransport in der Geschichte der Bundesrepublik zeigen Atomindustrie und Bundesregierung nach Ansicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace einmal mehr, dass sie keinerlei Lösung für das Dilemma der Atommüll-Entsorgung haben.

"Statt eine Lösung im eigenen Land zu finden, werden unsere hoch gefährlichen Abfälle nach Frankreich und England abgeschoben. Sie werden in Anlagen verarbeitet, die noch mehr Müll produzieren als angeliefert wurde und in deren Umgebung die Menschen häufiger an Krebs erkranken. Das alles nehmen Stromfirmen und Bundesregierung billigend in Kauf, weil sie nicht wissen, wohin mit dem Müll", sagt Susanne Ochse, Atomexpertin bei Greenpeace. Die Blutkrebsraten um die sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen seien höher als im Landesdurchschnitt. Nach Greenpeace-Erkenntnissen leiten die Anlagen einen Teil der radioaktiven Abfälle über Pipelines direkt ins Meer und über Schornsteine in die Luft ab. "Noch vor wenigen Monaten verkündete die rot-grüne Bundesregierung, man dürfe den Franzosen unseren Müll nicht einfach vor die Füße kippen. Genau das passiert heute wieder", kritisiert Susanne Ochse.

Die Atomkraftwerksbetreiber ruinierten mit ihren Transporten nicht nur die Umwelt, sie würden auch gegen den sogenannten Atomkonsens verstoßen, den sie im vorigen Jahr mit der Bundesregierung ausgehandelt haben. Darin hätten sich E.ON, RWE, EnBW und HEW verpflichtet, gegenüber ihren internationalen Partnern "alle zumutbaren vertraglichen Möglichkeiten zu nutzen, um zu einer frühestmöglichen Beendigung der Wiederaufarbeitungsverträge zu kommen." Bis heute sei jedoch kein einziger Vertrag gelöst worden. Stattdessen hätten mehrere Atomkonzerne angekündigt, die bestehenden Verträge bis zum Letzten ausnutzen zu wollen, bemängelt Greenpeace. Susanne Ochse: "Die Atomindustrie spielt ein übles Spiel. Die Passagen aus dem Atom-Kompromiss, die ihr nicht in den Kram passen, werden schlichtweg ignoriert. Und Umweltminister Trittin ist inzwischen so handzahm abgerichtet, dass die Stromkonzerne von dort nichts zu befürchten haben."