Protest gegen Braunkohlekraftwerk

Greenpeace-Aktivisten verlassen nach über 60 Stunden Baustellenkran

Nach der mehr als 60 Stunden dauernden Besetzung eines Baustellenkrans auf der Baustelle des Braunkohle-Kraftwerks Boxberg haben die letzten elf Greenpeace-Aktivisten am Mittwoch Abend das Gelände wieder verlassen. Trotzdem gehe der Protest weiter, so ein Sprecher der Umweltschützer.

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Boxberg (ddp-lsc/sm) - Mit der Besetzung eines Baustellenkrans hat die Umweltschutzorganisation gegen den im Bau befindlichen neuen Block im Vattenfall-Braunkohlekraftwerk Boxberg protestiert. Zudem hätten 20 Greenpeace-Aktivisten mit schwarzer Farbe in rund sieben Meter hohen Lettern den Schriftzug "Stopp CO2" auf die Außenseite des Kühlturm-Neubaus gemalt, teilte Sprecher Karsten Smid mit. Die elf verbliebenen Umweltschützer haben gestern Abend das Gelände wieder verlassen.

Smid sagte, ein Dialog vor Ort mit Vattenfall sei nicht möglich gewesen, aber die Umweltschutzorganisation werde diesen weiterhin mit dem Klimaschutzappell einfordern. "Wir gehen für heute aus Boxberg weg, aber unser Protest geht weiter", sagte der Sprecher gestern. Der Energiekonzern warf Greenpeace indes vor, mit der widerrechtlichen Kranbesetzung den Bau eines topmodernen Kraftwerks zu behindern.

Die Kranbesetzung hatte am Montag um 4.00 Uhr mit zunächst 36 Umweltaktivisten auf sieben Kränen begonnen und richtete sich gegen die geplante Inbetriebnahme des im Bau befindlichen Blocks R. Dieser werde jährlich 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen, warnten die Umweltschützer. In einem "Klimaschutzappell" forderten sie den Vorstandschef von Vattenfall Europe, Lars Göran Josefsson, auf, den Ausbau von Boxberg zu stoppen und die Investitionen stattdessen in erneuerbare Energien zu lenken.

Das für Kraftwerke verantwortliche Vorstandsmitglied des Konzerns, Reinhardt Hassa, kritisierte die "konsequent ignorante und nur auf mediale Wirkung zielende Rhetorik von Greenpeace". Der neue Block werde der modernste Braunkohlekraftwerksblock sein und "ältere und damit weniger umweltfreundliche Kraftwerke vom Markt verdrängen". Greenpeace-Sprecher Jan Haase hielt dem entgegen, dass die Vattenfall-Verantwortlichen in Boxberg gegenüber Greenpeace bei einem kurzen Gespräch am Montag deutlich gemacht hätten, dass zunächst nicht an eine Abschaltung der älteren Blöcke in Boxberg gedacht sei. "Da weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut", kritisierte der Umweltschützer.

Die umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion im sächsischen Landtag, Kathrin Kagelmann, wies unterdessen darauf hin, dass Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) auf seiner derzeitigen Japanreise über "nachhaltige Energieerzeugung in Zeiten des Klimawandels" rede. Diese "Öko-Predigt" passe nicht zu seiner klimafeindlichen Braunkohlepolitik in der Lausitz, sagte Kagelmann.