"Kein Klimaschutz"

Greenpeace-Aktivisten protestieren auf Schaufelradbagger

50 Greenpeace-Aktivisten protestieren seit heute morgen in der Tagebaugrube Hambach bei Morschenich. 25 Umweltschützer sind dabei auf einen 96 Meter hohen Schaufelradbagger geklettert und haben ebenda ein Transparent mit der Aufschrift "Coal kills the climate!" befestigt. Ihr Aufruf: Der Kraftwerksbetreiber RWE soll in erneuerbare Energien investieren.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Morschenich (red) - Für den Ausstieg aus der Braunkohle und den Ausbau erneuerbarer Energien protestieren seit heute morgen 50 Greenpeace-Aktivisten in der Tagebaugrube Hambach bei Morschenich (Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen). 25 Umweltschützer sind auf einen 96 Meter hohen Schaufelradbagger geklettert und haben dort ein Transparent befestigt: "Coal kills the climate!" - "Kohle zerstört das Klima".

Der Tagebau Hambach fördert durchschnittlich pro Tag rund 100.000 Tonnen Braunkohle, die in nahe gelegenen RWE-Kraftwerken verfeuert werden - mit einem Ausstoß von mindestens 85.000 Tonnen Kohlendioxid, so Greenpeace. RWE wolle noch zwei weitere Braunkohlekraftwerke bauen und damit die Klimazerstörung festschreiben. Greenpeace fordert den Konzern anlässlich der internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien in der kommenden Woche in Bonn auf, den Kurs zu ändern und in klimafreundliche Energieformen zu investieren.

"Deutschland kann die Welt nicht zur Debatte über saubere Energien einladen und mit Braunkohle weiter auf die klimaschädlichste Energieform setzen", sagt Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace. "Mit jeder Tonne zerstört RWE die Lebensgrundlagen künftiger Generationen. Mit Braunkohle gibt es keinen Klimaschutz." Selbst in neuen Braunkohlekraftwerken fielen pro Kilowattstunde Strom noch 750 Gramm Kohlendioxid an - bei modernen Gaskraftwerken seien es 370, bei Strom aus Windkraft nur elf Gramm.

Der Klimawandel, so Teske, habe bereits begonnen, seine Folgen würden spürbar: Gletscher schmelzten, Böden trockneten aus, der landwirtschaftliche Ertrag gehe zurück. Dennoch reagierten Industrie und Politik zögerlich bis gar nicht auf die Bedrohung. Braunkohle habe in Deutschland im Jahr 2002 sogar Zuwächse verzeichnet.

Zudem zerstöre der Braunkohletagebau direkt die Umwelt. Über 30.000 Menschen in Deutschland hätten in den vergangenen 50 Jahren ihren Wohnort verlassen müssen, weil er abgebaggert wurde. Auch das Argument neuer Arbeitsplätze ziehe nicht - derweil 25.000 Menschen in der Braunkohlebranche arbeiten würden, wären es mehr als fünfmal so viele in den Branchen der erneuerbaren Energien - Tendenz steigend. Allein in der Windkraftbranche würden heute schon 45.000 Menschen arbeiten.

Bis 2100 könnte Deutschland seinen gesamten Bedarf aus Erneuerbaren Energien decken, zeige ein aktuelles wissenschaftliches Szenario des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart im Auftrag von Greenpeace. "Dafür müssen aber jetzt die Weichen gestellt werden - und das heißt: keine neuen Braunkohlekraftwerke", so Teske.