Streit in Koalition

Glos: Gabriel vertritt "linke Anti-Kernkraft-Ideologie"

Wirtschaftsminister Glos wirft Umweltminister Gabriel vor, mit seiner "linken Anti-Kernkraft-Ideologie" den Schutz des Weltklimas zu behindern. Auch CDU-Generalsekretär Pofalla spricht sich für längere der AKW-Laufzeiten aus, nur so könne gemeinsam mit erneuerbaren Energien der CO2-Ausstoß reduziert werden.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg/Passau (ddp/sm) - Innerhalb der Bundesregierung eskaliert der Streit über die weitere Nutzung der Atomenergie. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) greift seinen Kabinettskollegen, Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), in der Zeitung "Bild am Sonntag" laut einem Vorabbericht scharf an: "Mit seinem Vorgehen beweist Umweltminister Gabriel, dass ihm die linke Anti-Kernkraft-Ideologie wichtiger ist als der Schutz des Weltklimas."

Zuvor war bekannt geworden, dass Gabriel den Antrag des Energiekonzerns RWE auf eine längere Laufzeit des hessischen Kernkraftwerks Biblis A ablehnen will. Nach den bisherigen Planungen müsste der älteste deutsche Atommeiler im kommenden Jahr abgeschaltet werden. RWE hatte im September jedoch beantragt, Reststrommengen des bereits stillgelegten pfälzischen Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich auf Biblis A zu übertragen.

Eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten fordert auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. In der "Passauer Neuen Presse" (Samstagausgabe) fordert er eine "Doppelstrategie", so soll neben der Laufzeitverlängerung der sicheren Atomkraftwerke der Einsatz erneuerbarer Energien ausgebaut werden. "Nur so lässt sich der CO2-Ausstoß in Deutschland deutlich verringern."

Pofalla fügte hinzu, wer Atomkraftwerke in Deutschland früher abschaltet, schadet dem Ziel, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Wenn die Kernenergie in Deutschland durch Kohle ersetzt würde, stiege der CO2-Ausstoß um bis zu 120 Millionen Tonnen pro Jahr an.