Gutachten

Globale Energiewende mit privater Beteiligung gefordert

Regierungsberater fordern eine globale Energiewende und beziffern den Investitionsbedarf bis 2050 auf 68.000 Milliarden US-Dollar. Die Berater sprechen sich eindeutig für zusätzliche private Investitionen in die Energiewende aus, bis sie sich in rund 30 Jahren von selbst tragen könne. Diese Investitionen müsse der Staat allerdings ordnen und begleiten.

Energiewende© asrawolf / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Bei der Vorstellung eines Gutachtens am Donnerstag in Berlin äußerte sich der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Hans-Joachim Schellnhuber, zuversichtlich, dass ausreichend privates Kapital verfügbar sei. Es gehe nun darum, den Investitionsbedarf privater Anleger mit dem Kapitalbedarf der Energiewende zusammenzubringen. Bis 2040 könnten die Kosten vollständig kompensiert werden.

In ihrem Gutachten gehen die Berater davon aus, dass anfänglich 1,1 Billionen US-Dollar pro Jahr vonnöten seien, um eine globale Vollversorgung mit Elektrizität aus erneuerbaren Energien sowie den weltweiten Ausstieg aus der Atomkraft zu ermöglichen. Im Jahr 2030 würde der Investitionsbedarf auf 2 Billionen Euro jährlich, im Jahr 2050 auf 3,5 Billionen pro Jahr steigen. Insgesamt müssten im Zeitraum von heute bis 2050 rund 68 Billionen US-Dollar investiert werden. Das entspricht rund 54.000 Milliarden Euro.

Die Energiewende trage sich künftig wohl selbst

Allerdings könnten die Investitionen "durch Einsparungen der Kosten für fossile Brennstoffe bei konventionellen Technologien schon bis zum Jahr 2040 vollständig kompensiert sein", wie es in dem Gutachten "Finanzierung der globalen Energiewende" heißt.

Besondere Bedeutung misst der Beirat privatem Kapital zu. Schellnhuber verwies darauf, dass viele private Anleger "nach einem sicheren Hafen" suchten, der Sicherheit und Rendite bringe. "Wir glauben, dass man diese beiden Dinge zusammenbringen kann: Investition in die Energiewende - in Deutschland, in Europa, weltweit - und den Bedarf derjenigen, die Kapital besitzen, es in einer vernünftigen Weise anzulegen", sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Staat müsse den Ordnungsrahmen schaffen

Hierfür müsse der Staat allerdings einen stabilen Ordnungsrahmen schaffen. Der Staat müsse die Bürgschaft dafür übernehmen, dass Investitionen nicht vor die Wand fahren. "Aus dieser Rolle kann er sich nicht herausstehlen", mahnte er.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) versicherte, dass er das Anliegen "nachdrücklich" unterstütze. Anleger engagierten sich nur dann in einem bestimmten Bereich, wenn Politik auf mittlere Frist verlässlich bleibe. "Das Entscheidende ist, dass wir auf absehbare Sicht nicht damit rechnen können, dass in größerem Maß staatliches Kapital bereitsteht", fügte er hinzu.