Statement

Gleichstellung von Müllheizkraftwerken und Biomasse-Kraftwerken gefordert

Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens des Darmstädter Müllheizkraftwerks wurden Forderungen laut, solche Kraftwerke ebenfalls nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zu fördern. Für Strom aus nachwachsenden Abfallstoffen gibt es derzeit bei der Einspeisung ins Netz keine erhöhte Vergütung.

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Darmstadt (red) - Der Vorsitzende des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Südhessen (ZAS), Landrat Alfred Jakoubek, hat die Gleichbehandlung von Müllheizkraftwerken mit Biomasse-Kraftwerken gefordert. Da Müllheizkraftwerke aus Abfall mit einem hohen nachwachsenden Anteil - unter anderem Holz, Papier, Speisereste oder Gartenabfälle - Strom und Wärme produzierten, müssten sie ebenfalls eine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten, sagte Jakoubek am Montag während eines Pressegesprächs zum 40-jährigen Bestehen des Müllheizkraftwerkes (MHKW) in Darmstadt.

Der Anteil nachwachsender Rohstoffe im Abfall betrage in der Anlage in Darmstadt mehr als 60 Prozent. "Das ist ein Beitrag zum Klimaschutz, weil dadurch bei der Stromproduktion fossile Energieträger ersetzt werden", sagte Jakoubek. Deshalb sei für diesen Anteil eine Förderung vergleichbar mit anderen Biomassekraftwerken angemessen.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz erkennt den nachwachsenden Anteil im Abfall als erneuerbare Energie an. Der Strom, der aus diesen nachwachsenden Abfallstoffen produziert wird, erhält bei der Einspeisung ins Netz dennoch keine erhöhte Vergütung. "Das muss der Gesetzgeber ändern, wenn er es mit der Förderung erneuerbarer Energien ernst meint", so Jakoubek.

Das MHKW in Darmstadt ist am 20. Juni 1967 in Betrieb gegangen. Im 24-Stunden-Betrieb entsorgt die Anlage den Abfall von über einer Million Menschen in der Region und produziert dabei Strom und Dampf. Bislang hat die Anlage fünf Millionen Tonnen Abfall verbrannt. Rund 250.000 Lastwagen wären erforderlich, um diese Menge zu transportieren.

Gut 44 Millionen Kilowattstunden Strom hat das MHKW im vergangenen Jahr ins Stromnetz eingespeist. Die Menge reicht aus, um 45.000 Menschen zu versorgen - das ist ungefähr die Einwohnerzahl der Städte Griesheim und Groß-Umstadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg oder ein Drittel der Bevölkerung von Darmstadt.

Der ZAS hat das Müllheizkraftwerk seit der Inbetriebnahme zu einer Anlage ausgebaut, die gesetzliche Grenzwerte für Schadstoffe unterschreitet. "In den vergangenen Jahrzehnten sind insgesamt 210 Millionen investiert worden, davon rund 150 Millionen für den Umweltschutz", so Dr. Ulrich Wawrzik, Technik-Vorstand der HEAG Südhessischen Energie AG (HSE), die im Auftrag des ZAS die Anlage betreibt. Einer der wichtigsten Bestandteile des MHKW ist die Rauchgasreinigung. In einem mehrstufigen Verfahren werden dort dem Rauchgas Schadstoffe entzogen, bevor es über den Kamin in die Umwelt gelangt.

Im Rauchgas waren 1967 noch 70 Milligramm Staub pro Kubikmeter enthalten. Der Wert liegt heute bei zwei Milligramm. Noch stärker ist der Rückgang bei der Salzsäure. Das MHKW stößt nur noch 0,6 Milligramm pro Kubikmeter dieses giftigen Stoffes aus. Bei Inbetriebnahme waren es noch 1000 Milligramm. Schwefeldioxid wurde von 200 Milligramm auf 25 gesenkt, Stickoxide verringerten sich von 400 Milligramm auf 92.

Der ZAS ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, zu dem sich die Stadt Darmstadt und die Landkreise Darmstadt-Dieburg und Odenwald zusammengeschlossen haben. Kooperationspartner sind der Kreis Groß-Gerau, der Kreis Bergstraße, Hochtaunus-Kreis und der Main-Taunus-Kreis.