Risiken abwägen

Gewerkschaftschef Schmoldt steht hinter RAG-Börsengang

Ein Einzelverkauf des Essener RAG-Konzerns sei keine Lösung, sagte der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt, in einem Interview. Bedenken habe bei ihm allerdings die aktuelle Auseinandersetzung zwischen RAG und dem Großaktionär RWE ausgelöst.

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Essen (ddp/sm) - Der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, spricht sich gegen einem Einzelverkauf des Essener RAG-Konzerns aus. "Ich kann die Politik nur davor warnen, den Zahlen, die so manche Investmentbank für ein solches Vorgehen nennt, Glauben zu schenken. Im Interesse der Politik kann nur sein, einen zukunftsfähigen integrierten DAX-Konzern zu schaffen. Ich sehe keinen Anlass, davon abzuweichen", sagte Schmoldt der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagausgabe).

Auch eine Übernahme der RAG-Tochter Degussa durch den Leverkusener Chemiekonzern Lanxess lehnt Schmoldt ab. Lanxess-Chef Axel Heitmann "hat mich nicht überzeugen können, dass Lanxess und Degussa sich gut ergänzen. Auch hat er mich nicht überzeugt, dass die Übernahme der Degussa nicht über eine Zerschlagung finanziert wird", sagte Schmoldt.

Der Gewerkschaftschef wies zugleich auf das Risiko hin, das die aktuelle Auseinandersetzung zwischen RAG und dem Großaktionär RWE für den geplanten RAG-Börsengang berge. "Ich hoffe und gehe davon aus, dass keine besonderen Zugeständnisse an Arcelor Mittal gemacht worden sind", sagte Schmoldt mit Blick auf die Vermutung seitens RWE, die RAG habe dem Aktionär Arcelor besondere Vorteile eingeräumt, um ihn zur Abgabe der RAG-Aktien für einen Euro zu bewegen. "Wenn das so wäre, was ich mir nicht vorstellen kann, dann müsste natürlich das, was dem einen Großaktionär eingeräumt worden ist, selbstverständlich auch den anderen eingeräumt werden."

Der noch amtierende Vorstandsvorsitzende des Essener RWE-Konzerns, Harry Roels, hat im Streit mit der RAG um die RAG-Tochter Saar-Ferngas und die Koks- und Energielieferungen an die indische Stahlgruppe Arcelor-Mittal seinen harten Kurs gegen RAG-Chef Müller verteidigt. Er wolle nicht personaliseren, "aber wir wollen ein gründliche und aktienrechtlich saubere Aufbereitung des Vorgangs", sagte Roels der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post (Donnerstagausgabe). "Wenn die Vorwürfe zutreffen, dass Müller eigenmächtig gehandelt hat, ist das kein Kavaliersdelikt", sagte Roels der Zeitung.