Widerstand

Geplanter Braunkohletagebau in der Egelner Mulde weiter umstritten

Der geplante Braunkohletagebau in der Egelner Mulde bleibt weiterhin umstritten. Bürger, Bauern und Umweltschützer befürchten, dass das 2000 Hektar Land umfassende Projekt der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) Natur und Infrastruktur zerstören könnte.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Egeln/Magdeburg (ddp-lsa/sm) - Im Verbund wollen sie Parteien und Landesregierung überzeugen, das Projekt zu verhindern. Klare Unterstützung erhält der Widerstand jedoch bisher aus der Opposition.

Wenn der Landesentwicklungsplan 2007 beschlossen wird, der auch die Zukunft der Egelner Mulde bestimmt, sollten die Positionen der Gemeinden unbedingt angehört werden, sagte der CDU-Fraktionssprecher für Landesentwicklung, Andreas Schröder. Allerdings müssten bestehende Ansprüche wie das Schürfrecht der Mibrag ebenso berücksichtigt werden.

Auch die PDS-Fraktion hat sich laut Angaben eines Sprechers noch nicht einheitlich positioniert. Deren Landtagsabgeordnete Angelika Hunger hatte unlängst vor möglichen Grundwasserproblemen und einer Zerstörung der Ackerflächen gewarnt. Speziell die Nutzung der Braunkohle in Kraftwerken sei fragwürdig, denn sie würde in Sachsen-Anhalt den Wechsel zu einer umweltfreundlichen Energieversorgung für mehr als 60 Jahre behindern, erklärte Hunger. Auch der FDP-Landtagsabgeordnete Johann Hauser hält das Projekt für bedenklich und will es deshalb "kritisch begutachten", nicht zuletzt weil er selbst einen Forstbetrieb in Atzendorf hat.

Die SPD weise fossilen Brennstoffen im Energiemix der nächsten Jahrzehnte weiterhin einen festen Platz zu, sagte hingegen Gerhard Miesterfeld, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion und Mitglied im Wirtschaftausschuss des Landtags. Dennoch räumte er ein, die Möglichkeiten und Gefahren des Tagebaus in Egeln sollten in einem geordneten öffentlichen Verfahren geprüft werden.

Nur die Grünen haben ihre grundsätzliche Ablehnung gegenüber dem Braunkohleabbau bereits per Resolution dokumentiert. Sie fordern eine "dezentrale Versorgung mit regenerativen und nachwachsenden Rohstoffen".

Vor Panikmache und allzu voreiligen Schlüssen warnt der Präsident des Landesamts für Geowissenschaften und Bergwesen, Armin Forker. Er sagte: "Solche Eingriffe in Natur, Infrastruktur und Wasserhaushalt erfordern umfangreichste Genehmigungsverfahren. Die Hürden für dieses enorme Braunkohleprojekt sind außerordentlich hoch." Zudem könnten erfahrungsgemäß etwa 60 Jahre nach Abschluss des Tagebaus bis zu 60 Prozent der Landschaft rekultiviert werden.

Den Bürgern, Bauern und Umweltschützern genügt das jedoch nicht. Im Januar 2007 werden sie eine gemeinsame Kampagne gegen den Braunkohleabbau in Egeln starten. Seit Anfang November wurden von der "Bürgerinitiative gegen den Braunkohleabbau in der Egelner Mulde" bereits über 1000 Unterschriften gesammelt. "Und täglich kommen neue hinzu", berichtet Michael Stöhr, Jurist aus Egeln und Sprecher der Initiative.

Von ddp-Korrespondent Stanley Vitte