Schlussfolgerung

Geothermie-Kraftwerk löste wohl Pfälzer Erdbeben aus (Upd.)

Die leichten Erdbeben in der Pfalz im vergangenen Jahr sind laut Gutachten offensichtlich durch das Geothermie-Kraftwerk in Landau ausgelöst worden. Die Experten seien zu dem Schluss gekommen, dass ein "kausaler Zusammenhang sehr wahrscheinlich" sei, teilte das Umweltministerium am Mittwoch mit.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Landau/ Mainz (dapd/red) - Dieses Ergebnis stellte die Landesregierung am Mittwoch in Landau vor. Das Land will nun noch bis Ende des Jahres ein Mediationsverfahren zur Nutzung von Geothermie in Rheinland-Pfalz in Gang setzen. Ein Moderator stehe bereits fest, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Alexander Schweizer. Allerdings wolle er den Namen noch nicht bekannt geben.

Wie die Fachleute von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover herausfanden, hängt die registrierte seismische Aktivität mit den Druckverhältnissen im Untergrund zusammen. Darum sei es notwendig, beim weiteren Betrieb des Kraftwerks mögliche Risiken zu vermeiden und den Druck dauerhaft auf relativ niedrigem Niveau zu halten. Bei dem Beben im August 2009 waren zahlreiche kleinere Schäden an Gebäuden in der Stadt entstanden.

Das Kraftwerk lief während der vergangenen Monate lediglich im Probebetrieb. Dieser soll zunächst verlängert werden. Nach Angaben von Wirtschaftsstaatssekretär Schweitzer wurde auch ein Frühwarnsystem installiert, das es der Betreiberfirma GeoX erlaube, frühzeitig den Betrieb herunterzufahren. "Dabei handelt es sich um einen Zeitraum von Tagen, nicht von Stunden", sagte Schweitzer. Dass das Erdwärmekraftwerk weiterhin in Betrieb bleibe, sei unter diesen Auflagen richtig. Das Gutachten der Expertenkommission keine grundsätzliche Bewertung der Geothermie und ihrer Nutzbarkeit darstelle.

Weil schon direkt nach dem Beben im August der Verdacht bestand, dass die Höhe des Porenwasserdrucks, - sie wird durch das Einpressen von Wasser in tiefe Gesteinsschichten hervorgerufen - verantwortlich sei, hatte die Betreiberfirma damals den Druck gesenkt. Schweitzer sagte, dies solle auch weiterhin so bleiben, auch auf die Gefahr wirtschaftlicher Einbußen hin. Das Kraftwerk in Landau fördert heißes Wasser aus mehr als drei Kilometern Tiefe und erzeugt daraus Strom und Wärme. Das hochgepumpte Wasser wird über eine zweite Bohrung wieder in das Erdinnere befördert.

Kritik kam am Mittwoch vom Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie. Dessen Vorsitzender Werner Müller sagte, das Gutachten sei eine "schallende Ohrfeige" für die Betreiberfirma. "Dennoch muss ich konstatieren, dass sämtliche Erdbeben, die es schon zu früheren Zeitpunkten gab, nicht in dem Gutachten erwähnt werden", fügte er hinzu. Er bezifferte deren Zahl mit 27. Müller bemängelte, dass der Betreiber noch keines der Gutachten über die Schäden an den Landauer Häusern veröffentlicht habe. Die darin festgehaltenen Untersuchungen gäben etwa Aufschluss darüber, weshalb manche Hausbesitzer Anspruch auf eine Entschädigung hätten, andere aber nicht. Ein Sprecher aus dem Umweltministerium sagte dazu, es sei schon aus Datenschutzgründen nicht üblich, dass solche Gutachten veröffentlicht werden.

Das Kraftwerk in Landau - es ist bundesweit das Größte seiner Art - fördert heißes Wasser aus mehr als drei Kilometern Tiefe und erzeugt daraus Strom und Wärme. Das hochgepumpte Wasser wird über eine zweite Bohrung wieder in das Erdinnere befördert.