Protestbrief

Gemeinde Röcken protestiert gegen Mibrag-Pläne

Im Süden Sachsen-Anhalts wächst der Widerstand gegen Pläne der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) zur Erkundung und Ausbeutung einer Kohlelagerstätte bei Lützen. Der Gemeinderat von Röcken beschloss am Montag einstimmig, einen Protestbrief an Landesregierung und Landtag zu schicken.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Röcken (ddp-lsa/sm) - In dem Brief wird vor der "Zerstörung einer international bekannten Kulturlandschaft", vor ökonomischer Benachteiligung der Region, ökologischen Schäden und der Vertreibung und Entwurzelung von Menschen gewarnt. Das Unternehmen führt seit dem Herbst Probebohrungen zur Erkundung der Lagerstätte durch. Zudem plant die Mibrag den Bau eines Kraftwerks in Profen, in dem die Kohle aus Lützen verstromt werden könnte.

Das Schreiben ist an Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), an den Petitionsausschuss des Landtages, den Petitions- und den Kulturausschuss des Bundestages sowie an das Landesamt für Geologie und Bergwesen gerichtet. In dem Brief wird darauf verwiesen, dass Röcken der Geburtsort des Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900) ist, welcher dort auch begraben ist. Zwei Kilometer weiter befinde sich der historische Ort Lützen, wo der schwedische König Gustav Adolf (1594-1632) bei einer Schlacht im Dreißigjährigen Krieg den Tod fand. "Diese kulturhistorische Landschaft würde so nachhaltig zerstört und verändert, dass ein wichtiger Teil deutscher Geschichte für immer verloren geht", heißt es in dem Schreiben.

Außerdem warnt der Gemeinderat vor negativen wirtschaftlichen Folgen eines Tagebaus. Unternehmen würden sich in der Region nicht mehr ansiedeln, landwirtschaftliche Arbeitsplätze auf Dauer vernichtet. Des Weiteren würde die Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre "durch die Verstromung der zu gewinnenden Braunkohle weiter erhöht". Und schließlich werde die Bevölkerung der betroffenen Ortsteile Röcken, Bothfeld, Michlitz und Schweßwitz durch den Tagebau "vertrieben und entwurzelt".

In dem Brief, der gemeinsam von Gemeinderat und einer im Sommer in Röcken gegründeten "Initiativgruppe gegen den Tagebau" verfasst wurde, beklagen die Röckener zudem finanzielle Verluste. Ihre Grundstücke seien bereits durch die Ankündigung der Probebohrungen durch die Mibrag entwertet worden.