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Keine SicherheitsbedenkenWährend nach den jüngsten Pannen im AKW Krümmel die Rufe nach der Abschaltung alter Atomkraftwerke immer lauter werden, hofft die Gemeinde Biblis auf eine Laufzeitverlängerung des dortigen Kernkraftwerkes. Ansonsten drohen Steuerausfälle und der Verlust vieler Arbeitsplätze.
Biblis (ddp-hes/red) - Die Bürgermeisterin von Biblis, Hildegard Cornelius-Gaus (parteilos), befürchtet im Falle einer Wiederauflage der großen Koalition nach der Bundestagswahl das definitive Aus für das Atomkraftwerk in der südhessischen Gemeinde. "Bei einer solchen politischen Konstellation würde wohl das Kernkraftwerk Biblis als Bauernopfer dem Koalitionsfrieden geopfert", sagte die Rathauschefin der Nachrichtenagentur ddp.
Kommune lebt gut mit Atomkraftwerk Biblis
(Foto / Abb.: www.rwe.com)
Scharf griff sie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) an, der vergangene Woche wiederholt Zweifel an der Sicherheit des mittlerweile über 30 Jahre alten Meilers geäußert hatte. "Das ist ein Wahlkampfthema von Herrn Gabriel, aber letztendlich geht es auch um die Arbeitsplätze in der Region und um die sichere Versorgung des Landes mit Energie", sagte Cornelius-Gaus. Noch sei die Nutzung erneuerbarer Energieformen nicht ausgereift. Daher sei es nötig, für die Zukunft alle Optionen, also auch die Nutzung der Kernenergie, beizubehalten.
Obwohl Cornelius-Gaus, die seit 2001 im Amt ist, von der SPD unterstützt wird, hofft sie eigenen Angaben zufolge auf ein schwarz-gelbes Regierungsbündnis nach der Bundestagswahl im September, da diese Koalition die Verlängerung von Restlaufzeiten befürworte. Für die Gemeinde Biblis bedeute der mögliche Verlust des Atommeilers ein ernstes Problem, da beträchtlichen Steuerausfälledrohten.
Auch die etwa 1000 Menschen, die im Kraftwerk arbeiten, verlören ihren Job. Bei den Revisionen kommen außerdem regelmäßig etwa 1000 Arbeitskräfte von Fremdfirmen hinzu, die wiederum ihr Geld in der Region ausgeben. Das alles würde wegbrechen, warnt Cornelius-Gaus.
Doch was wird geschehen, wenn der Meiler tatsächlich in einigen Jahren vom Netz geht, so wie es der derzeit noch gültige Atomkonsens vorsieht? "Es gibt noch keinen Plan B", räumt Cornelius-Gaus ein. Die Gemeinde habe keinen Autobahnanschluss und der Name Biblis sei für manche Unternehmen eher abschreckend, da das Atomkraftwerk für schlechte Presse sorge. Weder die Landesregierung noch der Kraftwerksbetreiber RWE hätten bisher Vorschläge gemacht, auf welche Weise sich das mögliche Aus des Kraftwerks wirtschaftlich kompensieren lasse.
Cornelius-Gaus befürwortet die Kernenergie. Sie argumentiert, RWE habe in den vergangenen Jahren viel Geld in die Sicherheit der Anlage gesteckt. Sicherheitsbedenken seien haltlos. Zudem gebe es keine Alternative zur Kernenergie, wenn der Ausstoß von Kohlendioxid gesenkt werden soll.
Aber wenn Biblis nun doch nicht so sicher ist? Der evangelische Pfarrer von Biblis, Arne Polzer, spricht von einer "kollektiven Verdrängung" aller objektiven Einwände gegen die Kernkraft in Biblis. Der Geistliche bemüht sich um Neutralität. Er will die Gemeinde nicht mit Anti-AKW-Rhetorik in mehrere Lager spalten. Die "Treue zum Kraftwerk" nehme jedoch gelegentlich groteske Züge an, sagt er.
In Diskussionen um Pannen, Atommüll oder die steigende Terrorgefahr verschlössen viele Bürger die Augen vor objektiven Einwänden. "Sie haben schlicht Angst um ihren Wohlstand", sagt der 39-jährige Theologe. Ob der Kraftwerksmitarbeiter, der Bäcker oder die Rentnerin, die während der Revision ein Zimmer vermiete - sie alle seien letztlich abhängig vom Energiekonzern RWE. Das Motto in Biblis folge einem alten deutschen Sprichwort, sagt Polzer: "Wess' Brot ich ess', dess' Lied ich sing'."
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