Stadtwerke Bochum und Dortmund

Gelsenwasserübernahme: Investor gewünscht, aber nicht zwingend

Für 835 Millionen Euro haben die Stadtwerke Bochum und Dortmund von E.ON 80,51 Prozent am Wasserversorger Gelsenwasser gekauft. Gestern stellten sie nun ihr Konzept vor. Obwohl sie die Kaufsumme aus eigener Tasche finanzieren könnten, suchen sie einen privatwirtschaftlichen Partner mit Know-how in den Bereichen Gas, Wasser und Finanzen. Aber nicht unbedingt.

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Gestern haben die Stadtwerke Bochum und Dortmund ihr Konzept zur Übernahme des privaten Wasserversorgers Gelsenwasser von E.ON vorgestellt. E.ON hat damit eine weitere Auflage aus der Ministererlaubnis zur Fusion mit Ruhrgas erfüllt. Die Stadtwerke haben für die Übernahme von 80,51 Prozent 835 Millionen Euro bezahlt. Jetzt halten sie gemeinsam 87,39 Prozent am Unternehmen.

Bernd Wilmert, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum GmbH, verwies auf die langjährige Kooperation zwischen den Dortmunder Stadtwerken (DSW) und den Stadtwerken Bochum (SWB). "In unserem erfolgreich erprobten Verbund wollen wir auch weiterhin die Stellung von Gelsenwasser als Lieferant direkt für Haushalte sowie als zuverlässiger Vorlieferant von Wasserverteilern gewährleisten. Darüber hinaus werden wir auf Basis unseres Zukunftskonzeptes den Ausbau der sektoralen Aktivitäten der Gelsenwasser AG vorantreiben." Auf Basis dieses Zukunftskonzepts sollen die Stärken der Partner zusammengeführt und so mittelfristig eine nachhaltige Weiterentwicklung der Gelsenwasser AG bewirkt werden. "Wir setzen hierbei auf die regionale Nähe und die vielfältigen gemeinsamen Aktivitäten unserer Unternehmen, die es uns einerseits ermöglichen, vorhandene Wertschöpfungen im operativen Bereich zu sichern und andererseits Betriebskosten zu reduzieren", erläuterte Harald Heinze, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Stadtwerke AG.

"Wir haben nicht die Absicht, Gelsenwasser oder Teile des Unternehmens in vorhandene Stadtwerke-Strukturen zurückzuführen bzw. zu re-kommunalisieren. Vielmehr wird die unternehmerische Einheit von Gelsenwasser mit klaren privaten Strukturen erhalten bleiben und ausgebaut werden", erläuterte Heinze als Reaktion auf Vorwürfe beispielsweise der nordrhein-westfälischen CDU. Er betonte auch, dass die Unternehmen den Preis allein finanzieren könnten, für einen schnelleren Ausbau jedoch einen privatwirtschaftlichen Investor mit ins Boot nehmen wollten. Er sollte laut Wilmert möglichst über Know-how in den Bereichen Gas, Wasser und Finanzen verfügen. Zeit- oder Finanzdruck gebe es dabei nicht.

Die Stadtwerke, die die Mehrheit an Gelsenwasser auf jeden Fall behalten möchten, wollen das Wachstum durch langfristige Verträge und verstärke öffentlich-rechtliche Partnerschaften sichern. Gelsenwasser soll auch im Gasmarkt stärker aktiv werden. Die Unternehmen rechnen mit einer Rendite von mindestens 8,3 Prozent.

Unterdessen wurde bekannt, das der Mannheimer Energieversorger MVV Energie AG gegen den Verkauf vorgehen will. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete von Plänen, 49 Prozent an Gelsenwasser ans die Stadtwerke Essen zu verkaufen. Diese wiederum gehören zu 29 Prozent RWE und zu 20 Prozent Ruhrgas, weshalb MVV-Chef Roland Hartung die Vorgänge als "Verballhornung" der Ministererlaubnis bezeichnete. "Jetzt kommen beide durch die Hintertür", sagte der Vorstandsvorsitzende der FAZ.