Gelangte internes Vossnet-Papier an die Öffentlichkeit? - Berater des Unternehmens zweifelte Preise an - Vossnet-Anwälte wollen Akten einsehen

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"Vossnet geht davon aus, dass auf Grund der derzeit intensiv geführten Vertragsverhandlungen mit namhaften europäischen Stromerzeugern rechtzeitig zur Jahrtausendwende das Kundenversprechen fristgerecht eingelöst und die Stromlieferung aufgenommen wird. Für Beunruhigung bei den Kunden gibt es keinen Grund. Den Beweis hierfür wird Vossnet in Kürze antreten". - Mit diesen Worten nahm die Vossnet Communications GmbH Stellung zu den Vorwürfen der Bremer Staatsanwaltschaft, die am gestrigen Donnerstag zwischen 10 und 16 Uhr wegen Verdacht des Betrugs die Räume des Unternehmens sowie Privatwohnungen durchsucht und Akten beschlagnahmt hatte (lesen sie hier).



Wie Geschäftsführer Thorsten Faber gegenüber dem strom magazin mitteilte, sei ein internes, lediglich für den Vossnet-Gebrauch bestimmtes Papier an die Öffentlichkeit gelangt. In diesem Papier geht es um die Höhe der künftigen Durchleitungsgebühr und damit einhergehend um die Frage, ob das Unternehmen die Stromlieferung zu den von ihm angebotenen Konditionen (18 Pfennige pro Kilowattstunde, 9,90 Mark Grundgebühr pro Monat) einhalten erhalten kann. Bezüglich der Durchleitungsgebühr gebe es, so Faber, "unterschiedliche Auffassungen". Der namentlich nicht bekannte Experte, der besagtes Papier in seiner Funktion als Berater für Vossnet verfasst habe, sei von einer höheren Durchleitungsgebühr ausgegangen, womit er offenkundig die von Vossnet angebotenen Preise angezweifelt hat. "Das war eine persönliche Meinung", so Faber gegenüber dem strom magazin, "und hinsichtlich der Höhe der künftigen Durchleitungsgebühr gibt es eben verschiedene Meinungen". Vor diesem Hintergrund interpretiere die Staatsanwaltschaft das Papier, bei dem es sich keineswegs um ein offizielles Gutachten handele, nicht richtig. Niemals habe zur Diskussion gestanden, dass man die Stromlieferung vielleicht nicht aufnehmen könne. Wie das Papier wiederum an die Öffentlichkeit gekommen ist und wie es infolge dessen auch in die Hände der Staatsanwaltschaft Bremen gelangte, konnte Faber nicht sagen. Die Vereinbarung mit dem Berater, führte Faber aus, habe man mittlerweile aufgehoben. Um wen es sich dabei handelt, ist nicht bekannt - Vossnet wie Staatsanwaltschaft schweigen gleichermaßen.



Der seitens der Staatsanwaltschaft geäußerte Vorwurf des Betrugs richtet sich konkret gegen die 60 Mark Verwaltungsgebühr, die die Vossnet Communications GmbH vorab der Stromlieferung von den bislang 27.000 registrierten Kunden - diese Zahl bestätigte Faber - eingezogen hatte, ohne dafür eine "Leistung" und also Strom zu liefern. Zwar hätten die Vossnet-Anwälte die entsprechenden Vertragsbedingungen als rechtens beurteilt, doch sei man gestern Abend - also im unmittelbaren Anschluss an die Durchsuchung - tätig geworden, um dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft zu begegnen: Die Verwaltungsgebühr wird nun mehr mit der ersten Stromrechung fällig. Faber, der, wie andere Vossnet-Mitarbeiter auch, gestern von der Staatsanwaltschaft vernommen wurde, wies überdies den Vorwurf nicht eingehaltener Leistungen zurück - schließlich habe man unter anderem Personal eingestellt und eine Service-Hotline aufgebaut. Kundenakten habe die Staatsanwaltschaft nicht beschlagnahmt, an der Sicherheit der entsprechenden Daten bestehe kein Zweifel, so Faber. "Es wurden nur Firmenunterlagen beschlagnahmt", bestätigte die Pressereferentin der Bremer Staatsanwaltschaft, de Bor, auf Anfrage des strom magazins.



Die Vossnet-Anwälte versuchen derweil, eine Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Bremen zu erlangen.



Thomas Liebau