Erneuerbare statt Kohle

Gegner von Lubminer Kraftwerk innerhalb der SPD gestärkt

Die Gegner eines Steinkohlekraftwerkes bei Lubmin innerhalb der SPD haben bei einem öffentlichen Forum des SPD-Landesverbandes Auftrieb erhalten. Staatssekretär Müller plädiert für Ausbau erneuerbarer Energien, um den Neubau klimaschädlicher Kraftwerke zu vermeiden.

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Greifswald (ddp-nrd/sm) - "Das beste Kraftwerk ist heute das, was nicht gebaut wird", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), am Sonntag in Greifswald. Ziel der Energiepolitik müsse es sein, mit effizienterer Energienutzung und dem Ausbau erneuerbarer Energien den Bau von neuen Kraftwerken zu vermeiden. "Alles andere würde uns in der Zukunft sehr teuer werden", sagte Müller.

Sellering: Verzicht auf Kraftwerk trotz Koalitionsvertrag möglich

Landesparteichef Erwin Sellering hält den politischen Verzicht auf das Steinkohlekraftwerk trotz einer Passage im Koalitionsvertrag für möglich. Dazu müsse sich jedoch herausstellen, dass das Kraftwerk gegen die energiepolitische Zielsetzung des Vertrages verstoße. An die Adresse der Bundespartei gerichtet, forderte er, die Gesetzgebung zu verändern, wenn keine weiteren Kohlekraftwerke gewollt würden. Anderenfalls habe das Land keine Möglichkeit, solche Projekte zu verweigern.

Die Landesregierung werde das Konzept "Energieland 2020" in Kürze vorstellen, sagte Landesumweltminister Till Backhaus (SPD). Da das dänische Unternehmen Dong Energy die Genehmigung des Vorhabens noch nicht beantragt habe, sei eine Bewertung des Vorhabens derzeit fachlich und politisch noch nicht möglich. Größtes Problem für eine Genehmigung sei die Einleitung des erwärmten Kühlwassers in den Greifswalder Bodden, sagte Backhaus. Deshalb würden Abnehmer für die Wärme gesucht.

Das Unternehmen sei bereit, der deutschen Energiepolitik zu folgen, sagte der Dong-Vizepräsident und Lubminer Projektleiter Peter Gedbjerg. Das Kraftwerk werde flexibel arbeiten können. Wegen des Vorrangs der Windenergie könne das Werk auf bis zu 20 Prozent seiner Leistung zurückgefahren werden, bei heutigen Kraftwerken sei das nur auf bis zu 35 Prozent möglich. Dong investiere Millionen in die Forschung, um zum Beispiel Kohlendioxid aus dem Rauchgas zu filtern.

WWF: Kohlekraftwerk ist potenzielle Investitionsruine

Regine Günther von der Umweltorganisation WWF bezeichnete neue Kohlekraftwerke insbesondere wegen der steigenden Kosten aus dem Kohlendioxid-Emissionshandel als potenzielle Investitionsruinen. Mit dem Projekt würde eine Technik ins Land geholt, die in Dänemark bereits aussortiert sei.

Der Träger des Alternativen Nobelpreises, Michael Succow, forderte die Landes-SPD auf, neu nachzudenken. Das Zukunftskapital des Landes, die reine Natur, dürfe nicht der Verwirklichung eines Koalitionsvertrages geopfert werden.