Studie

Gefahr eines Atomunfalls im Südwesten am größten

Die vielen Atomkraftwerke in und um Baden-Württemberg bedeuten aus Sicht des Umweltministeriums nicht zwingend eine besonders hohe GAU-Gefahr. Eine entsprechende Studie des Max-Planck-Instituts sei "nicht sehr aussagekräftig", sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Stuttgart der Nachrichtenagentur dapd.

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Stuttgart (dapd/red) - Das sei aber "keine Negierung der Ergebnisse", betonte er. Für eine realistische Risikoeinschätzung müssten jedoch auch die Sicherheitsstandards der einzelnen Anlagen in der Nähe sowie die Qualität der Atomaufsicht berücksichtigt werden.

Das Problem der Reaktordichte

Der Chemieprofessor Jos Lelieveld hatte die Unfallwahrscheinlichkeit rein statistisch berechnet und kam zu dem Ergebnis, dass Katastrophen 200 Mal häufiger zu erwarten seien als bislang angenommen. Südwestdeutschland ist demzufolge weltweit am stärksten gefährdet. Das Umweltministerium bestätigte, dass die Dichte an Reaktoren durch die Nähe zu Frankreich, der Schweiz und Bayern im globalen Vergleich "mit die höchste" sei.

Katastrophen viel häufiger als bislang geschätzt

Zur Berechnung hatte Lelieveld zunächst die Laufzeit aller weltweit betriebenen Reaktoren zusammengerechnet. Diese 14.500 Jahre teilte er anschließend durch vier - weil es bislang vier Mal zu einer Kernschmelze kam, ein Mal in Tschernobyl und drei Mal in Fukushima. Demzufolge käme auf 3.625 Reaktorjahre ein GAU. Selbst wenn man konservativ rechne und von einem Unfall pro 5.000 Reaktorjahre ausgehe, würde es bei derzeit 440 Kraftwerken weltweit alle 10 bis 20 Jahre zu einer Katastrophe kommen.

Das sei 200 Mal so oft, wie die Schätzungen der amerikanischen Zulassungskommission für Kernreaktoren im Jahr 1990 ergeben hätten. In Westeuropa ist ein Unfall laut Lelieveld statistisch alle 50 Jahre zu erwarten.