Super-GAU

Gedenken an Tschernobyl – Mehr Geld für Arbeiter in der Todeszone

Der Super-GAU in Tschernobyl hat die Gefahren der Atomkraft in einem katastrophalen Maße sichtbar gemacht. 30 Jahre nach der Katastrophe gedenken Menschen in der EU der Opfer. Die ukrainische Regierung teilte am Jahrestag mit, die Gefahrenzulage für die Arbeiter in der Todeszone zu erhöhen.

Atommüll© Thomas Bethge / Fotolia.com

Tschernobyl/Kiew - Mit einer Schweigeminute, der Nationalhymne und Salut-Schüssen hat die ukrainische Führung der Folgen des Super-GAUs in Tschernobyl vom 26. April 1986 gedacht. Präsident Petro Poroschenko legte am Dienstag am Denkmal für die "Helden von Tschernobyl" in Kiew Blumen nieder. "Das Kraftwerk von Tschernobyl wurde Ende des vergangenen Jahrhunderts geschlossen, doch die Folgen der Katastrophe werden noch lange auf den Schultern des ukrainischen Volkes lasten", sagte er bei einer anschließenden Trauerstunde an der Ruine des Meilers.

Würdigung der Helfer in Moskau

Der russische Präsident Wladimir Putin würdigte in Moskau den Mut und die Selbstaufopferung der damaligen Helfer. "Tschernobyl ist eine ernste Lehre für die ganze Menschheit geworden, und die Folgen hallen wie ein raues Echo bis heute nach - auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen", schrieb Putin in einem Telegramm an die sogenannten Liquidatoren. Hunderttausende Helfer aus der Sowjetunion hatten 1986 geholfen, die Strahlung einzudämmen. "Viele von ihnen haben ihr eigenes Leben geopfert, um andere zu retten", sagte Putin.

100.00 Menschen verloren ihre Heimat

Der Reaktor Nummer vier des Kernkraftwerks in Tschernobyl im Norden der Ukraine war damals um 1.23 Uhr explodiert. Eine Sperrzone rund um den Unglücksreaktor wurde für unbewohnbar erklärt, weite Landstriche der Ukraine, Russlands und Weißrusslands wurden radioaktiv verseucht.

Mehr als 100.000 Menschen mussten umgesiedelt werden. Expertenschätzungen zufolge starben Zehntausende Menschen an den Spätfolgen des Super-GAUs.

Gefahrenzuschläge für Arbeiter werden erhöht

30 Jahre nach der Katastrophe hat die ukrainische Regierung die Gefahrenzuschläge der Arbeiter erhöht, die derzeit in der Todeszone beschäftigt sind. Die Regelung gelte rückwirkend vom 1. Januar 2016 an für rund 10. 000 Menschen, teilte die Führung in Kiew am Montag mit. Die monatliche Zulage wird damit auf 150 Prozent des Mindestlohns (derzeit umgerechnet rund 50 Euro) erhöht, was nun einer Monatszulage von etwa 73 Euro entspricht.

Erste Kirche auf ehemals verseuchtem Boden

In Erinnerung an die Helfer weihte die orthodoxe Kirche in Russland ein Gotteshaus bei Belgorod ein. Das Gebäude in der damals von der radioaktiven Strahlung betroffenen Region sei die erste Kirche im Land, die den Einsatzkräften gewidmet sei, sagte Behördensprecherin Irina Sorokina. Zehntausende Helfer in Tschernobyl kamen damals aus Russland. Viele arbeiteten ohne Schutz und starben in kurzer Zeit.

Licht-Inszenierung von Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte in Tschernobyl in der Nacht zum Dienstag die Opfer mit einer bewegenden Licht-Inszenierung geehrt. Greenpeace projizierte unter anderem Bilder von Opfern auf den Beton-Sarkophag über dem Reaktor. In der Anlage befinden sich noch immer 200 Tonnen Uran. Der Schutzmantel soll einen Strahlenaustritt aus dem havarierten Meiler verhindern. Derzeit baut ein internationales Konsortium an einem neuen Sarkophag.

Deutschland will sich von der Atomkraft verabschieden

Die Bundesregierung hatte nach der Kernschmelze im japanischen Kraftwerk Fukushima 2011 den Atomausstieg beschlossen. Russland und die Ukraine setzen weiter auf Kernkraft. Der russische Staatskonzern Rosatom ist beim Bau von Kraftwerken international gefragt.

Quelle: DPA