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27.04.2009, 09:43 Uhr

Strom-News

Demonstrationen gegen Atomkraft

Gedenken an Opfer von Tschernobyl-Katastrophe

Am 23. Jahrestag der Explosion eines Atomreaktors in Tschernobyl haben hunderte Ukrainer der Opfer der Katastrophe gedacht. Auch in Deutschland haben am Wochenende über 3000 Menschen gegen die weitere Nutzung der Atomenergie demonstriert.

Geesthacht (afp/ddp/red) - Ukraines Staatschef Viktor Juschtschenko und andere Regierungsmitglieder legten in der Nacht zum Sonntag in Kiew einen Kranz vor einem Denkmal für die Tschernobyl-Opfer nieder. Ehemalige Mitglieder der Aufräumkräfte, welche seinerzeit die verseuchte Unglücksstelle reinigten, schmückten das Denkmal unter Tränen mit Fichtenzweigen. Während einer religiösen Zeremonie wurden Kerzen zum Gedenken an die Opfer entzündet. In Slawutitsch, einer Kleinstadt in der Nähe des Unglücksorts, kamen mehrere hundert Menschen zu einer Mahnwache.

Atomaustieg

"Wir erinnern uns heute mit tiefer Trauer an diese Helden, die gegen die atomaren Elemente kämpften und sich für uns und unsere Kinder opferten", erklärte Juschtschenko. Bei den Aufräumarbeiten nach der Reaktorexplosion am 26. April 1986 starben amtlichen Schätzungen zufolge mehr als 25.000 Menschen. Rund 2,3 Millionen Ukrainer leiden nach offiziellen Angaben an den Folgen des Unglücks.

Weite Teile der damals noch zur Sowjetunion gehörenden Ukraine, Russlands und Weißrusslands waren durch die Katastrophe radioaktiv versucht, die Strahlung gelangte bis in den Westen Europas. Der letzte Tschernobyl-Reaktor wurde im Dezember 2000 abgeschaltet. Eine Betonhülle bedeckt heute den explodierten Reaktor, in dem 200 Tonnen radioaktives Magma glühen. Sie zeigt jedoch Risse. Unterstützt durch internationale Hilfsgelder soll frühestens Ende des Jahres mit dem Bau einer neuen Stahlumhüllung begonnen werden. Diese soll 2012 fertiggestellt sein.

Über 3000 Demonstranten in Deutschland

Auch vor dem abgeschalteten Kernkraftwerk Krümmel im schleswig-holsteinischen Geesthacht forderten am Sonntag nach Veranstalterangaben etwa 2000 Umweltschützer und Atomkraftgegner den Verzicht auf die geplante Wiederinbetriebnahme der Reaktoren in Kümmel und Brunsbüttel. Angesichts eines neuen Leukämiefalles in der Elbmarsch dürften die Meiler nicht wieder hochgefahren werden, sagte Jan Becker von der Anti-Atomkraft-Gruppe contrAtom auf einer Kundgebung. Begleitet wurden die Proteste von Musik und Theater-Aktionen vor dem Werktor. In einer Live-Schaltung mit Umweltschützern in Minsk erinnerten die Teilnehmer an die Tschernobyl-Atomkatastrophe.

Darüber hinaus versammelten sich rund 200 Atomgegner zum Gedenken an Tschernobyl zu einer Kundgebung vor dem Kernkraftwerk Neckarwestheim in Baden-Württemberg. "Wir wollten an die Opfer erinnern, an die Menschen, die noch heute an Krebs leiden und umgesiedelt wurden", sagte Wolfram Scheffbuch vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar. Zugleich sollte mit der Aktion die Forderung unterstrichen werden, "dass alle Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden müssen". Alles andere sei "nicht verantwortbar".

Umweltschützer: Stromanbieter ohne Atomstrom wählen

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) forderte die Verbraucher in einem Aufruf auf, einen Stromanbieter zu wählen, der keinen Atomstrom anbietet und nicht mit der Atomindustrie verflochten ist. Bereits am Samstag hatten in Münster etwa 1000 Demonstranten den sofortigen Atomausstieg in Deutschland gefordert.

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