Expansion

Gazprom will offenbar in Deutschland einsteigen

Nach dem millionenschweren Sponsoring-Deal mit Fußball-Bundesligist Schalke 04 plant der russische Energiekonzern Gazprom offenbar den Einstieg in den deutschen Energiemarkt. Nach Medienberichten werden Beteiligungen an deutschen Energieunternehmen geplant.

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München/Essen (ddp-nrw/sm) - Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf Unternehmenskreise schreibt, hat der weltgrößte Erdgasproduzent dabei die Unternehmen RWE, RAG und EWE ins Auge gefasst. Beim Essener Stromkonzern RWE wollten zahlreiche Kommunen, die bisher noch rund 30 Prozent der Aktien halten, ihre Anteile zu Geld machen. Hier könnte Gazprom Pakete übernehmen, hieß es.

Der russische Staatskonzern erwäge zudem, sich beim Mischkonzern RAG im Zuge des im kommenden Frühjahr geplanten Börsengangs zu beteiligen, schreibt das Magazin. Der Gaskonzern denke an den Einstieg in den Haushaltskunden-Markt. Bei EWE, dem fünftgrößten deutschen Energie-Unternehmen mit Sitz in Oldenburg, wolle Gazprom den Streit unter den diversen Anteilseignern - Landkreisen und Städten in der Ems-Weser-Elbe-Region - nutzen. Es habe bereits ein Treffen zwischen Gazprom-Managern und Kommunal-Vertreten über einen möglichen Einstieg des russischen Konzerns gegeben.

Auch die "Welt am Sonntag" berichtet, dass Gazprom sich an Stadtwerken beteiligen wolle. Man wolle in das Geschäft mit Endkunden "an deren Gasherd" einsteigen, zitiert das Blatt einen Vertrauten von Gazprom-Chefs Alexei Miller. Gespräche mit mehreren deutschen Stadtwerken seien bereits geführt worden.

"Wir wissen, dass Gesprächsbereitschaft besteht", sagt Sven Becker, Geschäftsführer des Aachener Energieverbundes Trianel, eines Zusammenschlusses von rund 30 Stadtwerken. Allerdings habe es keine direkten Kontakte gegeben. Kooperationen mit den Russen seien möglich: "Wir sind daran interessiert, Importverträge abzuschließen", sagte Becker.

Unter anderem hat Gazprom laut Zeitung Interesse an den Stadtwerken Leipzig. Dort will SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung Anteile an dem kommunalen Unternehmen verkaufen. Noch hat er keine Mehrheit für diesen Kurs im Stadtrat. Doch Gespräche mit möglichen Interessenten, darunter auch Gazprom, würden schon geführt, schreibt das Blatt. Die Russen hielten bereits fünf Prozent an der Leipziger Verbundnetz Gas AG.