Kooperation

Gazprom und Wintershall beschließen Zusammenarbeit

Im Rahmen der deutsch-russischen Regierungskonsultationen haben der russische Energiekonzern Gazprom und der deutsche Chemieriese BASF eine Vereinbarung über einen Beteiligungstausch unterzeichnet. Gazprom hat bei dieser Gelegenheit sein Interesse an guten Beziehungen mit Deutschland unterstrichen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Ludwigshafen/Tomsk (ddp/sm) - Die Zusammenarbeit mit der BASF eröffne "weitere Möglichkeiten für langfristige und zuverlässige Lieferungen russischen Erdgases", sagte der Vorstandsvorsitzendes des weltgrößten Gasproduzenten, Alexej Miller, am Donnerstag im russischen Tomsk nach der Unterzeichnung. Für die Ludwigshafener BASF unterschrieb Vorstandschef Jürgen Hambrecht.

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Kasseler BASF-Tochter Wintershall eine Beteiligung von 35 Prozent an dem sibirischen Erdgasfeld Juschno-Russkoje erhält. Gazprom stockt im Gegenzug seinen Anteil an dem gemeinsamen Gashandelsunternehmen Wingas auf 50 Prozent auf. Bislang hält Gazprom 35 Prozent an Wingas. Außerdem wird Gazprom an einer Wintershall-Gesellschaft beteiligt, die Explorations- und Produktionsbeteiligungen in Libyen hält.

Gazprom-Chef Miller betonte, die Kooperation mit BASF sei "einzigartig" und umfasse die gesamte Wertschöpfungskette von der Exploration und Produktion von Erdgas in Westsibirien über den Transport durch die Nordeuropa-Gaspipeline bis zur Weiterverteilung über das gemeinsame Gasleitungsnetz in Deutschland sowie in anderen Ländern Europas. Laut BASF belegt die jetzt unterzeichnete Vereinbarung die Bereitschaft von Gazprom, für die Entwicklung stabiler, verlässlicher und langfristig angelegter Wirtschaftsbeziehungen mit deutschen Unternehmen noch mehr unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.

Das Feld Juschno-Russkoje verfügt laut BASF über Reserven von mehr als 600 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Derzeit liefere Gazprom 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr nach Deutschland. Ausgehend von dieser Liefermenge könne die Lagerstätte die russischen Gasexporte nach Deutschland für weitere 15 Jahre gewährleisten. Die Förderung solle dort 2008 beginnen.

Im vergangenen Jahr hatten BASF und Gazprom das Gemeinschaftsunternehmen "North European Gas Pipeline Company" (NEGP) gegründet. Die Gesellschaft soll die nordeuropäische Gaspipeline bauen, mit der auch Erdgas aus dem Feld Juschno-Russkoje nach Westeuropa transportiert werden wird. Vorsitzender des Aufsichtsrates der NEGP ist Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Seit zwei Jahren verhandelt Gazprom auch mit dem Düsseldorfer Energiekonzern E.ON über einen Einstieg bei dem sibirischen Gasfeld. Es gehe bei den derzeitigen Verhandlungen um einen Anteil von 25 Prozent an Juschno Russkoje, sagte eine E.ON-Sprecherin am Donnerstag. Gazprom solle im Gegenzug Minderheitsanteile an E.ON-Gesellschaften bekommen.

Von Michael Wojtek

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