Preissteigerungen

Gazprom-Chef: Gaspreise werden nicht sinken

Die Gaspreise werden nach Einschätzung von Gazprom-Chef Alexej Miller auch in Zukunft nicht sinken. Gazprom habe für Ende 2008 mit einem Preis von 400 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas kalkuliert. Zur Mitte des Jahres liege man jetzt schon bei 410 US-Dollar.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Leipzig (ddp/sm) - "Die Tendenz zur Erhöhung wird anhalten", sagte Miller heute in Leipzig. Eine Absage erteilte er auch der in Deutschland diskutierten Entkopplung des Gaspreises vom Ölpreis. Man sehe keinen Anlass, dies zu ändern, sagte Miller.

Der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Erdgasförderers betonte zugleich, wie wichtig ihm stabile Lieferbeziehungen zu Deutschland und zur EU seien. Seit 1973 habe Gazprom mehr als 800 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland geliefert, das Volumen solle in Zukunft noch steigen. Europa sei und bleibe für Gazprom der wichtigste Markt. "Gazprom hängt von Europa ab wie auch Europa von Gazprom abhängt", sagte Miller. Dies bedeute jedoch nicht, dass man sich nicht auch nach anderen Kunden umsehe. Gazprom wolle Sicherheit in den Lieferbeziehungen, schließe aber "Flexibilität" in Zukunft nicht aus.

Die mittelfristige Strategie von Gazprom sehe vor, die gesamte Kette im Erdgasgeschäft von der Förderung bis zum Endverbraucher anbieten zu können. In diesem Zusammenhang kritisierte Miller die in seinen Augen zunehmende Politisierung des Gasmarktes in Deutschland.

Deutschland bezieht nach Angaben der Leipziger Verbundnetz Gas AG (VNG) rund 35 Prozent seines Erdgases aus Russland, zweitgrößter Lieferant ist Norwegen mit 27 Prozent. Erdgas deckt rund 22 Prozent des deutschen Jahresenergiebedarfs.

Aus Anlass des 35. Jahrestages der ersten Gaslieferung aus Sibirien nach Deutschland war Miller heute nach Leipzig gekommen. Am 1. Mai 1973 war das erste Gas über den Übergabepunkt Sayda im Erzgebirge in die DDR geströmt.