Wettbewerb

Gaswirtschaft stellt Entry-Exit-Netzzugangsmodell vor

Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), Manfred Scholle, hat das gemeinsam mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) entwickelte "Entry-Exit-Netzzugangsmodell" vorgestellt. Es soll als Basis für die Arbeit der für Mitte nächsten Jahres geplanten Regulierungsbehörde gelten.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

"Unsere Lösung bietet Transportkunden deutlich mehr Flexibilität und Transparenz. Gleichzeitig steht dieses Angebot weiter auf einer marktwirtschaftlichen Grundlage, funktioniert unter den Gegebenheiten der deutschen Gaswirtschaft und bietet die nötigen Anreize für sicheren Betrieb, Erhalt und Ausbau des Netzes", erläuterte Scholle. Er hob die wesentlichen Punkte hervor:

  • Mit dem neuen Modell können Kunden Kapazität an Einspeisepunkten separat und zeitlich versetzt von der Ausspeisung buchen, gebuchte Kapazitäten kurzfristig verlagern und sie mit denen anderen Transportkunden kombinieren. Es müsse jetzt nicht mehr der "Weg", d.h. der Transaktionspfad gebucht werden, sondern lediglich die Punkte, an denen ein- bzw. ausgespeist wird.
  • Für die Transportkunden bieten die Netzbetreiber und weitere Unternehmen ein Netzzugangsmanagement aus einer Hand an. Das heißt, sie übernehmen auf Wunsch der Transportkunden auch die Organisation und Abwicklung des Netzzugangs in Drittnetzen.
  • Netzbetreiber ermöglichen in ihren Netzen jetzt auch die Bildung von Bilanzkreisen. Damit können Differenzmengen mehrerer Transportkunden miteinander saldiert werden.
  • Netzzugangskunden können Entry- und Exit-Kapazitäten auch getrennt weiterverkaufen. Damit wird ein Marktplatz für Kapazitäten geschaffen. Kauf und Verkauf erfolgen im Internet. Die Netzbetreiber der beiden Ferngasstufen stellen dafür so genannte elektronische Bulletin Boards ab dem 1. Januar 2005 zur Verfügung.
  • Durch eine Kapazitätsprüfung gewährleisten die Netzbetreiber dauerhaft Versorgungssicherheit.

Scholle betonte, das neue Modell gewährleiste insbesondere die Sicherheit der Versorgungsnetze und trage der dreistufigen Struktur der deutschen Gaswirtschaft Rechnung. Das Modell berücksichtige sowohl die Rechte der Netzzugangskunden als auch die verfassungsrechtlich geschützten Eigentumsrechte der Netzbetreiber. "Für die Nutzung der Netze auf der Ferngasstufe werden Einspeise- und Ausspeiseentgelte festgelegt", sagte Scholle zu der zukünftigen Entgeltstruktur. Die Ein- und Ausspeiseentgelte der überregionalen bzw. importierenden Ferngasstufe würden anhand eines europäischen Vergleichsmaßstabs gebildet. Bestehende strukturelle Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten seien angemessen zu berücksichtigen.

"Um Transparenz zu gewährleisten, beauftragen wir einen Gutachter mit einem jährlichen Entgeltvergleich, in dem die Systematik, die der Vergleichsbetrachtung zugrunde liegt, transparent und nachvollziehbar dargelegt wird. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit muss dem gewählten Gutachter zustimmen", so Scholle weiter. Für die Entgelte der regionalen Ferngasstufe gelte eine kostenbasierte Entgeltfindung. Die regionalen Ferngasunternehmen könnten allerdings aus Gründen des Leitungswettbewerbs die Entgelte ebenfalls anhand des Vergleichsmarktprinzips bilden. Damit könne im Einzelfall der konkreten Wettbewerbssituation der Unternehmen Rechnung getragen werden.

Für die Netzbetreiber der Endverteilerstufe verwies VKU-Präsident Gerhard Widder auf das bereits jetzt praktizierte System der Endverteilerbriefmarke, die ebenfalls kostenbasiert ist. Die Einzelheiten der kostenbasierten Entgeltfindung für die Endverteilung regele ein Entgeltkalkulationsleitfaden als Anlage zur Netzzugangsverordnung. Auf dieser Basis erfolge eine bundesweite Ermittlung von Durchschnittsentgelten. Bei der Ausgestaltung des Kalkulationsleitfadens sei der Grundsatz der Substanzerhaltung der Netze und der gastechnischen Anlagen zu berücksichtigen. Auch sei dem Erfordernis einer risiko- und kapitalmarktadäquaten Eigenkapitalverzinsung Rechnung zu tragen. Beide Präsidenten betonten, dass "grundsätzlich unternehmerische Anreize für Erhaltung und Ausbau leistungsfähiger Erdgasnetze zu schaffen sind".