Mehr Transparenz gefordert

Gasversorgung Thüringen erhöht Preise zum 1. November

Die flächendeckende Erhöhung der Gaspreise zum Herbst wird wohl unvermeidlich sein: Jetzt hat auch der größte Thüringer Gasversorger eine Anhebung im Schnitt um elf Prozent angekündigt. Kritik gab es dafür umgehend von der Verbraucherzentrale: "Irgendjemand verdient sich dabei eine goldene Nase".

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Erfurt (ddp-lth/sm) - Für manchen Thüringer kündigt sich ein kalter Winter an. Nach eigenen Angaben vom Donnerstag erhöht der größte regionale Erdgasversorger im Freistaat, die Gasversorgung Thüringen, auch ThüringenGas genannt, ihre Preise zum 1. November. Erdgas wird dann für rund 112 000 Haushalte im Schnitt um elf Prozent teurer. Bereits im Juli hatte das Unternehmen die Gaspreise angehoben. Die Verbraucherzentrale Thüringen (VZT) kritisierte das Vorhaben und forderte mehr Transparenz in der Preisbildung.

Nach Angaben von ThüringenGas kostet den Verbraucher ab 1. November eine Kilowattstunde je nach Tarif zwischen 0,58 Cent und 0,638 Cent mehr. Ein Haushalt, der im Jahr zum Kochen oder zur Warmwasseraufbereitung rund 3000 Kilowattstunden verbraucht, zahle pro Monat rund 1,60 Euro mehr. Familien, die Erdgas auch zum Heizen nutzen und dabei im Jahr auf einen Verbrauch von 25 000 Kilowattstunden kommen, müssten zwischen 12,10 Euro und 13,30 Euro pro Monat mehr zahlen.

Grund für die höheren Preise ist nach Angaben des Gasversorgers unter anderem die gestiegene weltweite Energienachfrage. Dadurch hätten sich auch die Preise auf dem Gasbeschaffungsmarkt weiter erhöht. Diesem Trend könne sich auch ThüringenGas nicht entziehen, sagte Geschäftsführer Erich Böhm. ThüringenGas sei weder Produzent noch Importeur von Erdgas, sondern auch nur Kunde im Beschaffungsmarkt.

Die Gaspreise steigen aufgrund der gestiegenen Nachfrage und der damit einhergehenden Verknappung, räumte die Verbraucherzentrale ein. Die Preiskopplung müsse dennoch abgeschafft werden. Derzeit bezahlten diese allein die Endverbraucher, sagte VZT-Energieexperte Dirk Weinsheimer. Statt der Preiskopplung sollten Versorger langfristige Festpreisverträge mit den Produzenten und Lieferanten abschließen. Zudem fordert Weinsheimer mehr Transparenz in der Preisbildung der Versorgungsunternehmen. Die Preiskalkulationen müssten nachvollziehbar für alle dargelegt werden. Die Produktionskosten beim Erdgas änderten sich nicht, dennoch müssten die Verbraucher mehr bezahlen - das sei nicht nachvollziehbar, betonte Weinsheimer und fügte hinzu: "Irgendjemand verdient sich dabei eine goldene Nase."

In diesem Zusammenhang beeilte sich der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) mitzuteilen, dass die Preisanpassungen der Versorger "deutlich" unter den gestiegenen Importwerten lägen. Daher seien in den folgenden Monaten weitere Preisanpassungen unvermeidlich, so der BGW weiter.