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Gaspreis: Harter Winter für Verbraucher und Versorger

Nach heftiger Kritik von Industrie, Verbraucherverbänden und Privatkunden will das Bundeskartellamt die erhöhten Gaspreise unter die Lupe nehmen. Im Visier der Wettbewerbshüter ist u.a. E.ON Hanse, das seit Oktober einen zehn Prozent höheren Tarif berechnet. Der Versorger fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

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Düsseldorf (ddp/sm) - Die öffentliche Diskussion ist energiegeladen. Nach den Strompreisen rücken nun auch die Gaspreise der Versorger in die Kritik von Teilen der Industrie, der Verbraucherverbände und der Privatkunden. Das Bundeskartellamt hat erstmals Untersuchungen eingeleitet, formelle Missbrauchsverfahren würden bei Unstimmigkeiten eingeleitet, heißt es dazu aus Bonn.

Seit vier Jahrzehnten ist der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt. Damit sich nicht jedes Zucken der Ölmärkte auf den Gaspreis niederschlägt, folgt dieser dem für Öl mit einer Verzögerung zwischen drei und sechs Monaten. Aber wird das schwankende Niveau der Ölpreise, wenn auch mit dieser Verzögerung, wirklich 1:1 an die Kunden weitergegeben? Der zum E.ON-Konzern gehörende norddeutsche Regionalversorger E.ON Hanse ist eines der Unternehmen, das die Wettbewerbswächter im Visier haben. Seit dem 1. Oktober berechnet E.ON Hanse den Kunden durchschnittlich zehn Prozent mehr. Schließlich hätten sich aufgrund der gestiegenen Bezugspreise auch die Einkaufskosten für Gas erhöht, argumentiert die Unternehmenssprecherin. Und die letzte Preiserhöhung liege schließlich schon 22 Monate zurück.

E.ON Hanse bezieht sein Gas nicht von der konzerneigenen Ruhrgas, sondern unter anderem von der ostdeutschen Verbundnetz Gas AG (VNG)in Leipzig. Diese berechnet E.ON Hanse seit Anfang Oktober in der Tat mehr. "Im Schnitt vier Prozent - und keine zehn Prozent", wie ein VNG-Sprecher betont. Auch habe der Gaspreis zu Beginn des Jahres zunächst nachgegeben, sagte der Sprecher der Ferngasgesellschaft weiter. E.ON Hanse ist sich dennoch keiner Schuld bewusst, liege man doch im Mittelfeld der deutschen Gaspreise. Gleichwohl fühlt sich der Regionalversorger an den Pranger gestellt: "Die Verbraucherverbände, die zur Rechnungskürzung aufgerufen haben, suggerieren unseren Kunden, dass wir etwas Verbotenes tun."

Unabhängig davon, ob das Kartellamt tatsächlich in einigen Wochen ein Missbrauchsverfahren eröffnen wird, ist eine breit angelegte öffentliche Diskussion schon explosiv genug. Was den Druck noch erhöht: Die Preisspitzen beim Erdgas stehen wegen der zeitlichen Verzögerung zum Ölpreis erst noch bevor. Ob es gelingen wird, diese an die Endkunden weiterzugeben, ist fraglich. Erst recht, wenn die Kartellwächter das erste Missbrauchsverfahren gegen Gasversorger eröffnet haben. Die Branche wird sich wärmer anziehen müssen, zumal die geplante Regulierungsbehörde für den Energiemarkt auch nicht untätig bleiben wird.

Von Archibald Preuschat, Dow Jones Newswires