Bilanz

Gasmarkt: Kurth mahnt Netzbetreiber zu mehr Kooperation

Zum Beginn des neuen Gaswirtschaftsjahrs am 1. Oktober 2006 zieht die Bundesnetzagentur eine insgesamt optimistische Bilanz. Aus Sicht von Behörden-Chef Matthias Kurth beginnt jetzt die praktische Bewährungsprobe für das Zugangsmodell. Er geht von zunehmendem Druck auf die Gaspreise aus.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - "Aufgrund der jahrzehntelang gewachsenen Strukturen im Gasmarkt, die in ihrer wettbewerbshemmenden Wirkung nur allmählich aufgebrochen werden können, handelt es sich hierbei jedoch erwartungsgemäß nur um erste Etappen auf dem Weg zu einer wirksamen Marktöffnung", so Kurth.

Ein wichtiger Zwischenschritt wurde bereits im Juli 2006 erreicht, als sich die deutschen Gasnetzbetreiber auf Druck der Regulierungsbehörde auf eine Kooperationsvereinbarung geeinigt hatten, mit der Wettbewerbern der Zugang zu den Netzen erleichtert werden soll. Diese Neuregelung wird plangemäß am 1. Oktober 2006 in die Praxis umgesetzt. Nach letztem Stand sind dieser Kooperationsvereinbarung mehr als 400 Netzbetreiber beigetreten, die, gemessen an der gaswirtschaftlichen Bedeutung, den weitaus überwiegenden Teil des Markts repräsentieren. Für die fehlende verbindliche Kooperation der restlichen Unternehmen gibt es aus Sicht der Bundesnetzagentur keine nachvollziehbaren Gründe.

"Es kann keinen Zweifel daran geben, dass alle Netzbetreiber zu einer verbindlichen und vertraglich geregelten Zusammenarbeit gesetzlich verpflichtet sind. Hier sind die Betreiber in der Pflicht und müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Die bisherigen Kooperationsbemühungen der Branche zeigen daher Licht- und Schattenseiten. Diese unbefriedigende Situation zeigt u. a. , dass ein weiteres engagiertes Handeln aller Marktteilnehmer dringend erforderlich ist, um dem vom Gesetzgeber geforderten Gaswettbewerb zum Durchbruch zu verhelfen", appellierte Kurth.

"Mit dem Systemstart zum 1. Oktober 2006 beginnt nun die Phase, in der sich das Modell in der Praxis bewähren muss. Die Bundesnetzagentur wird diesen Prozess weiter aktiv begleiten, unterstützen und gegebenenfalls im Wege von Aufsichtsmaßnahmen korrigierend eingreifen", so Kurth. Er begrüßt ausdrücklich dass in einem ersten Schritt neue Anbieter auf lokalen Märkten wie Berlin oder Hamburg auftreten und privaten Kunden ein Angebot machen und erstmals auch über 5.000 private Kunden ihren Gasanbieter gewechselt haben.

"Ob die Verbraucher tatsächlich Wechselmöglichkeiten haben, kann von der Bundesnetzagentur nur mittelbar beeinflusst werden, indem sie weiter mit Nachdruck darauf drängt, dass chancengleiche und effiziente Ausgangsbedingungen für alle Marktteilnehmer geschaffen werden. Mit den genannten Wechselmöglichkeiten in Berlin und Hamburg ist ein erster Schritt in diese Richtung getan. Ob letztlich den Gaspreis begrenzende Effekte erzielt werden, ist neben der Regulierung der Netzentgelte wesentlich auch von der Intensität des sich einstellenden Wettbewerbs abhängig. Ich bin zuversichtlich, dass sich der Wettbewerb im Gasmarkt jetzt Schritt für Schritt verstärken wird und dadurch auch zunehmender Druck auf die Gaspreise ausgeübt wird“, sagte Kurth abschließend.

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