WEG-Konferenz

Gasbedarf zu 20 Prozent aus heimischen Quellen

Die Jahrespressekonferenz des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung nutzte deren Chef Gernot Kalkoffen auch dafür, eine Neuausrichtung der Förderabgabenpolitik zu fordern. Zudem warb er für stärkeres Interesse junger Menschen an einer Beschäftigung in diesem Bereich.

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Hamburg (red) - "Investitionen sind der beste Beitrag zur Versorgungssicherheit", sagte Gernot Kalkoffen, Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) heute auf der Jahrespressekonferenz in Hamburg. Die deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten hätten ihre Investitionen um über ein Drittel erhöht. Dies habe auch zu einem Beschäftigungsanstieg geführt. "Erstmals seit Jahren sind in unserer Industrie im Inland wieder mehr als 6000 Mitarbeiter direkt beschäftigt", erläuterte der WEG-Vorsitzende. Dieser positive Trend werde sich 2006 fortsetzen.

Trotz steigender Investitionen werde es jedoch immer schwieriger, das Produktionsniveau in Deutschland aufrecht zu erhalten, führte er aus. So sei die heimische Erdgasförderung mit knapp 19 Milliarden Kubikmeter gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig gewesen, während die Erdölproduktion bei 3,6 Millionen Tonnen stabilisiert werden konnte. Der deutsche Erdgasverbrauch sei 2005 zu knapp 20 Prozent aus heimischen Quellen gedeckt worden.

Verbraucher können sich jedoch seiner Einschätzung nach in diesem Jahr auf eine Preisstabilisierung einstellen. Wenn keine größeren Naturkatastrophen oder politischen Unruhen die Märkte erschütterten und sich Angebot und Nachfrage verstetigten, "rechnen wir 2006 mit einer Beruhigung der Preise", sagte Kalkoffen. Der an den Ölpreis gekoppelte Gaspreis ziehe jeweils etwa ein halbes Jahr später nach. Deshalb werde sich eine Beruhigung mit entsprechender Verzögerung auch in den Gaskosten niederschlagen. Laut Kalkoffen hat sich der Gaspreis 2005 auf einem vergleichbaren Niveau bewegt wie 2001. Allerdings unterliege er auf anderen Märkten, etwa in Großbritannien und den USA, weitaus größeren Schwankungen als in Deutschland, wo die Preise zudem meist niedriger seien.

Kalkoffen zufolge besteht ähnlich wie im vergangenen Jahr auch 2006 keine Gefahr von Engpässen: "Es gab in der gesamten Zeit der höheren Preise keine Verknappung der Produkte, wir hatten immer genügend Rohöl und Erdgas. Und es gibt auch in diesem Jahr genug Öl und Gas." Der Ölpreis beinhalte allerdings spekulative Elemente, die nach Expertenschätzungen etwa zehn bis 20 Dollar pro Barrel (159 Liter) betrügen.

Kalkoffen widersprach politischen Diskussionen über eine drohende Knappheit der Erdölreserven und der daraus resultierenden Forderung nach Abkehr vom Erdöl. Man werde "in den nächsten Jahrzehnten nicht an Öl und Gas vorbeikommen, schon um alternative Technologien zu entwickeln", sagte er. Zwar reichten nachgewiesene und förderbare Ölreserven momentan für fast 50 Jahre, Erdölressourcen seien nach gegenwärtigen Schätzungen aufgrund des technischen Fortschritts allerdings noch für mehr als 100 Jahre verfügbar. Bei Erdgas gelte dies sogar "noch für Jahrhunderte", sagte Kalkoffen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über Versorgungssicherheit forderte Kalkoffen eine Neuausrichtung der Förderabgabenpolitik des Landes Niedersachsen. Mit einem Förderabgabensatz für Erdgas von 32 Prozent liege der Abgabensatz fast um die Hälfte höher als 2003. Das schwäche nicht nur den Standort Niedersachsen, sondern könne auch nicht im Interesse Deutschlands und Europas sein. Kalkoffen zeigte sich aber überzeugt, dass die Landesregierung Niedersachsen vor dem Hintergrund dieser Zusammenhänge ihre Möglichkeiten für eine zukunftsfähige und verlässliche Förderabgabenpolitik nutzen werde.

Im Hinblick auf den noch Jahrzehnte bestehenden großen weltweiten Bedarf an Erdöl und Erdgas warb Kalkoffen für ein stärkeres Interesse junger Menschen an einer Beschäftigung in diesem Bereich. Die Industrie biete jungen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern gute Berufsperspektiven. Kalkoffen: "Wir sind davon überzeugt, dass Öl und Gas noch lange Zeit sowohl in Deutschland als auch weltweit eine große Rolle spielen werden, und wir brauchen kluge Köpfe."