Statement

Gas im Salzstock bedroht angeblich Endlager Gorleben

Der Geologe Klaus Duphorn hat angesichts neuer Erkenntnisse über Gasvorkommen unter dem Gorlebener Salzstock vor einem weiteren Ausbau des Erkundungsbergwerks gewarnt. Dem Geologen zufolge gibt es unter dem Salzstock zwei geologische Schichten, in denen sich Erdgas bildet. Das sei durch Bohrakten aus der ehemaligen DDR belegbar.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel/Gorleben (dapd/red) - "Es ist mir völlig unverständlich, dass trotz all dieser Mängel nun wieder nur Gorleben und keine alternativen Standorte auf ihre Eignung zum Endlager untersucht werden", sagte der ehemalige offizielle Gorleben-Gutachter im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. "Für ein sicheres Endlager müsste man nachweisen, dass es oberhalb von 1.500 Metern Tiefe im Salz kein Gas gibt. Dieser Nachweis wird kaum zu führen sein", betonte er.

Nach Angaben von Duphorn belegen wiedergefundene Bohrakten aus der DDR, dass man im Jahre 1969 im nördlichen Teil des Salzstocks etwa fünf Kilometer von Gorleben entfernt in 3.300 Metern Tiefe auf ein Gas gestoßen ist. Dieses Gas sei seinerzeit an der Erdoberfläche explodiert und habe eine schweren Unfall mit einem Todesopfer verursacht, berichtet der Geologe.

Das damals angebohrte Gasvorkommen zeige, dass es unter dem Salzstock Gorleben zwei geologische Schichten gebe, in denen sich Erdgas bilde. Bei der Entstehung des Salzstocks seien Einschlüsse von Gas und Lauge über die Geologische Formation "Hauptanhydrid" auch in das Steinsalz eingedrungen, das Atommülllagerung vorgesehenen sei. "Dieses Gas ist hochexplosiv. Bei Zutritt von Sauerstoff liegt die Zündtemperatur bei 20 Grad Celsius", warnte der Geologe.

Duphorn wies zudem auf weitere geologische Mängel des Salzstocks hin, wie ein besonders dickes Kaliflöz und das Fehlen einer geschlossenen Schicht aus Tongestein über dem Salz. Bei der Einlagerung von heißen Atommüll könne sich der Salzstock zudem binnen einiger Jahrhundert um bis zu vier Meter anheben. Dadurch würden unter Tage neue Risse und Klüfte und damit Wege für das Grundwasser entstehen.

Der heute 76-jährige Duphorn war einer der ersten Gutachter, der den Salzstock im Auftrag des Bundes untersucht hat. Er wurde später von der Begutachtung ausgeschlossen, weil er zu dem Schluss kam, dass es über dem Salzstock keine geschlossene Gesteinsdecke gibt. Die Erkundung des Salzstocks Gorleben soll Anfang Oktober nach zehnjähriger Pause wieder aufgenommen werden.