Meseberg

Gabriels Pläne zur EEG-Reform abgesegnet

Gabriels Eckpunkte zur EEG-Reform sind von der Koalition abgesegnet worden. Zwei wesentliche Punkte nach der Klausur: Offshore-Windparks sollen ihre Chance zur Etablierung erhalten und Teile der Industrie werden mit einem "Energie-Soli" stärker zur Kasse gebeten.

Berlin© elxeneize / Fotolia.com

Meseberg (dpa/red) - Mit einem "Energie-Soli" sollen Strom-Selbstversorger in der Industrie stärker an den hohen Ökostromkosten beteiligt werden. Bürger mit kleinen Solaranlagen auf dem Dach bleiben nach Plänen der Regierung davon aber verschont. Vorgesehen ist eine Bagatellgrenze: Union und SPD wollen Anlagen mit einer "Leistung von höchstens 10 Kilowatt" ausnehmen, wie es in den überarbeiteten Eckpunkten von Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) heißt.

Ökostrom genau auf Linie

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wies am Donnerstag nach Abschluss der Kabinettsklausur in Meseberg bei Berlin Vorwürfe aus der Branche der erneuerbaren Energien zurück, mit den schwarz-roten Reformplänen würde der Ökostromausbau abgewürgt. Alles sei auf das Ziel ausgerichtet, bis 2050 dann 80 Prozent des Stroms aus Sonne, Wind, Wasser und Biogas zu erzeugen. "Wir liegen genau auf dieser Linie", sagte die CDU-Chefin.

Offshore bekommt eine Chance

Merkel machte sich bei der Energiewende für Windparks im Meer (Offshore) stark, die besonders viel Fördergeld verschlingen. Hier fürchten die SPD-regierten Küstenländer bei der Reform um Jobs und Milliarden-Investitionen. "Die Offshore-Energie-Erzeugung steckt noch in den Kinderschuhen, was die Praxiserprobung anbelangt", sagte Merkel. Solar und Wind an Land hätten ebenfalls viel Zeit bekommen, bis sie am Markt bestehen konnten. "Die Offshore-Energie muss dies noch zeigen. Aber sie muss diese Chance auch bekommen."

Industrie wird zur Kasse gebeten

In Meseberg hatte die Regierung Gabriels Eckpunkte für die EEG-Reform abgesegnet. Besonders stark soll die Industrie bei dem "Energie-Soli" zur Kasse gebeten werden - im Zuge hoher Energiepreise waren auch große Unternehmen dazu übergegangen, verstärkt Strom für ihre Fabriken selbst zu erzeugen und zu verbrauchen - und so die Ökostromumlage zu sparen. Durch diese "Flucht" aus dem Fördersystem steigen die per Umlage auf die Strompreise abgewälzten Kosten für die Verbraucher. Allein 2014 werden 2,5 Milliarden Euro erwartet, verlautete aus Regierungskreisen. Dies führe zu erheblichen Verzerrungen auch innerhalb der Wirtschaft.

Energie-Soli für Selbstversorger

Für Firmen, die ihren eigenen Strom produzieren und nutzen, entfällt bisher die Ökostromumlage. Bis 2013 ans Netz gegangene Stromproduktionsanlagen sollen künftig nun knapp einen Cent je Kilowattstunde Umlage zahlen. Laut einem Papier aus dem Bundesumweltministerium werden 2014 rund acht Prozent des deutschen Stromverbrauchs wegen des Eigenverbrauchs von der Umlage befreit (50 Terawattstunden). Ein Rechenbeispiel: Würde diese Summe mit einem Cent "Energie-Soli" belegt, wären etwa 500 Millionen Euro zu zahlen.

Um den Selbstversorger-Trend zu stoppen, sollen neue Anlagen für den Eigenverbrauch sogar 90 Prozent der derzeitigen Ökostromumlage von 6,24 Cent je Kilowattstunde zahlen, also rund 5,6 Cent. Solar- oder Windparks sowie für den Eigenverbrauch bestimmte Biogasanlagen sollen etwa 4,4 Cent Mindestumlage abführen.

Gemeinwohl im Vordergrund

Gabriel will im Lobbydschungel den Durchblick behalten. Geringere Kosten und Versorgungssicherheit würden nicht durch das "Addieren von Einzelinteressen" erreicht: "Wir werden darauf achten, dass das Gemeinwohl am Ende im Mittelpunkt stehen muss", sagte der SPD-Chef in Meseberg. Dort hatte die CSU auf geringere Einschnitte bei der Biomasseförderung gepocht. Bayern hat besonders viele Biogasanlagen, und im März sind hier Kommunalwahlen.

Quelle: DPA