Neue Panne entdeckt

Gabriel wirft Vattenfall verheerende Informationspolitik vor

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warf Vattenfall gestern mangelnde Kooperation bei der Aufklärung der Störfälle vor. Schleswig Holstein prüft weiter einen möglichen Entzug der Betriebserlaubnis. Derweil ist eine weitere Panne bekannt geworden, so wurden in Krümmel teilweise falsche Dübel eingesetzt.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Kiel (ddp/sm) - Der Bundesumweltminister kritisierte, dass AKW-Betreiber Vattenfall zu dem bundesaufsichtlichen Gespräch am Montag weder den Schichtleiter noch den Reaktorfahrer des AKW Krümmel mitgebracht habe. "Wenn Vattenfall eine direkte Befragung von Mitarbeitern durch die Atomaufsicht verhindern will, dann behindert das Unternehmen eine lückenlose Aufklärung", sagte Gabriel. Dies sei nicht akzeptabel.

Bei dem Zwischenfall in Krümmel sei es in der diensthabenden Schicht "offenbar zu massiven Kommunikationsproblemen gekommen, die es in einem solchen Fall nicht geben darf". Die Ursachen dafür müssten im Gespräch mit den Mitarbeitern aufgeklärt werden, so der Bundesminister. "Ein Wiederanfahren des Reaktors Krümmel ist nur möglich, wenn die Ursachen vollständig geklärt und mögliche Defizite beseitigt sind."

Der SPD-Politiker wies erneut Forderungen der AKW-Betreiber zurück, Restlaufzeiten vor allem auf ältere, bereits abgeschriebene Kraftwerke zu übertragen. "Je älter Kraftwerke desto eher treten Probleme auf", so Gabriel. "Wir werden einem Wiederanfahren solcher älteren Reaktoren ohnehin nur zustimmen, wenn wirklich alles geklärt ist."

Mit Blick auf die Häufung von Zwischenfällen in beiden Kraftwerken sagte Gabriel, es sei "völlig berechtigt, wenn die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein fragt, ob Vattenfall einen sicheren Betrieb noch gewährleisten kann".

Schleswig-Holsteins zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sagte, zwar gebe es Anhaltspunkte für einen Mangel an Zuverlässigkeit. Einerseits seien die Menschen durch die Informationspolitik Vattenfalls getäuscht worden. Zum anderen habe es zum Zeitpunkt des Störfalls offenbar ein "unheimliches Gewusel" gegeben, in dem unter anderem Anweisungen falsch verstanden worden seien. "Ob das gerichtlich belastbar ist, wird sich noch zeigen müssen." Zuerst brauche sie den Abschlussbericht der unabhängigen Sachverständigen. Sie werde erst ein Verfahren einleiten, wenn sie wisse, dass dieses vor Gericht standhalten könne.

Verkehrte Dübel eingesetzt - Krümmel nicht vor August wieder am Netz

Das AKW Krümmel bleibt bis mindestens Ende August abgeschaltet. Vattenfall will Krümmel erst nach Klärung aller offenen Fragen und nach Durchführung sämtlicher erforderlichen Maßnahmen nach dem für Anfang August geplanten Revisionsstillstand wieder in Betrieb nehmen. Wie am Dienstag bekannt wurde, wurden in dem Kraftwerk an einigen Stellen falsche Dübel eingesetzt. Nach Vattenfall-Angaben entsprechen zwei Dübel nicht dem vorgesehenen Typ. Bei Untersuchungen wurden an mehreren Dübeln Auffälligkeiten festgestellt. Nach Angaben des Kieler Sozialministeriums wurden möglicherweise bis zu zwölf verkehrte Dübel in einem Gebäude verwendet, in dem ein Notstromaggregat steht.