"Gesamtrisiko erheblich senken"

Gabriel will alte Atomkraftwerke abschalten

Nach den vergangenen AKW-Störfällen dringt Bundesumweltminister Gabriel darauf, die sieben ältesten Reaktoren in Deutschland umgehend abzuschalten. In der Union stößt der Vorschlag auf Ablehnung, Unterstützung fand der Minister dagegen bei den Grünen und Umweltschützern.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Gabriel dringt darauf, die sieben ältesten Atomkraftwerke umgehend abzuschalten. Dies bringe "einen hohen sicherheitstechnischen Gewinn", argumentierte er. Den Überlegungen des Umweltministeriums zufolge wären damit 2009 nur noch zehn Kernkraftwerke in Betrieb, der letzte Meiler ginge wegen der Strommengenverrechnung rein rechnerisch erst 2023 vom Netz.

Nach Berechnungen des Ministeriums müssten nur fünf Prozent der gesamten Reststrommenge von alt auf neu verschoben werden. "Damit ließe sich das nukleare Gesamtrisiko erheblich senken", sagte der Minister. Energiewirtschaftlich wäre diese Strommenge "ohne Bedeutung". Betroffen von den Plänen wären die hessischen Reaktoren Biblis A und B, das Vattenfall-Kraftwerk Brunsbüttel, Neckarwestheim 1 und Philippsburg 1 in Baden-Württemberg sowie Unterweser in Niedersachsen. Das Kraftwerk Isar 1 könnte den Berechnungen zufolge im Juni 2009 außer Dienst gehen.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte zu Gabriels Vorstoß, es gehe "nicht um alt oder neu, sondern um sicher oder nicht". Man habe aber keine Hinweise darauf, dass die Kernkraftwerke den Standard nicht erfüllten. "Es gibt überhaupt gar keine Erkenntnisse darüber, dass unsere sichere Kernenergie dazu führt, dass sie abgeschaltet werden müsste", fügte Pofalla hinzu.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer verwies indes darauf, dass sich bei den ältesten Reaktoren die Probleme in besonderer Weise häuften. Diese Meiler beschleunigt abzuschalten, sei eine im Atomausstiegsgesetz vorgesehene Lösung. Zugleich bezweifelte Bütikofer aber, dass der Umweltminister über ein geeignetes Druckmittel verfüge. Es sei zu erwarten, dass sich die Atomkonzerne "besserer Einsicht aus rücksichtslosem Gewinnstreben verweigern".

Der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital sagte, die Abschaltung der ältesten und störanfälligsten Atommeiler wäre ein "wichtiger Schritt in Richtung Atomausstieg und ein Signal für die Modernisierung der Energieversorgung in Deutschland". Gabriel habe richtig erkannt, dass ein Weiterbetrieb energiewirtschaftlich ohne Bedeutung sei.