Krach um Kernkraft

Gabriel: Moderne Atomkraftwerke könnten länger laufen

Während Union und FDP am Wochenende erneut für eine längere Laufzeit der Kernkraftwerke plädierten, drängt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die Abschaltung alter Meiler. Damit dürften die modernen Kraftwerke länger laufen. Zudem forderte der Minister einem Bericht zufolge eine Sondersteuer auf Atomstrom.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Gabriel sagte, er habe schon vor einem Jahr vorgeschlagen, die sieben ältesten Meiler abzuschalten und deren Laufzeit auf die neun jüngeren zu übertragen. Das könnten die Betreiber "ohne Genehmigung sofort tun, um die Laufzeiten der sichersten Reaktoren weit über 2020 hinaus zu verlängern und damit viel Geld zu verdienen".

Den Betreibern würden so Nachrüstungen erspart und sie könnten genauso viel Atomstrom produzieren wie zuvor, sagte Gabriel. "Dafür wäre dann das atomtechnische Risiko in Deutschland beträchtlich verringert. "Die Energieversorgungsunternehmen haben dies abgelehnt, weil sie wohl auf andere Mehrheiten nach der nächsten Bundestagswahl spekulieren", sagte der Minister. Seriöse Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Atomkraft nach wie vor für zu gefährlich halte und dem 2000 vereinbarten allmähliche Atomausstieg zustimme.

Dagegen bekräftigte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU): "Wir wollen den Ausstieg vom Ausstieg." Die Kernkraftwerke müssten länger laufen können. Mehrere große Stromerzeuger hätten bereits erklärt, "dass sie bereit sind, die zusätzlichen Gewinne aus längeren Laufzeiten an die Kunden zurückzugeben und Strom zu verbilligen". Auch sparten die Atommeiler so viel CO2 ein, "wie der gesamte Autoverkehr in Deutschland produziert".

FDP-Vize Rainer Brüderle forderte gleichfalls eine Korrektur des Ausstiegsbeschlusses. "Längere Laufzeiten der sichersten deutschen Kernkraftwerke würden gerade die Kleinabnehmer entlasten", sagte er. Seiner Schätzung nach senkten länger laufende Atommeiler den Strompreis um etwa zehn Prozent.

Atomstrom senkt den Strompreis nicht

Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin sagte dagegen, längere Laufzeiten "senken nicht die Preise, sondern stärken die Bilanzen der Abzocker aus der Stromwirtschaft". Der Grünen Politiker Cem Özdemir betonte, der Atomausstieg sei für seine Partei nicht verhandelbar. "Jede Partei hat ihre roten Linien, und für uns geht das nicht", sagte Özdemir, der sich um den Grünen-Vorsitz bewirbt.

Gabriel nannte es ein Märchen, dass Atomstrom die Energiepreise senkt. "Schließlich steigen die Preise heute, obwohl wir rund 25 Prozent Atomstrom haben", argumentierte er. Auch habe der Atomausstieg "einen tiefen gesellschaftlichen Konflikt in unserem Land befriedet". Wer das rückgängig machen wolle, "reißt die alten Gräben wieder auf".