"Griff in die Lohntüte"

Gabriel kritisiert höhere Strompreise und ruft zu Anbieterwechsel auf

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die zum Jahreswechsel angekündigten Strompreiserhöhungen vieler Versorger scharf kritisiert und die Verbraucher zum Wechsel ihres Anbieters aufgerufen. Damit wirbt der Minister für die Anbieterwechsel-Kampagne der Verbraucherzentralen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - "Was hier stattfindet, ist der Griff in die Lohntüte", ein "Raubzug durch die Einkommen", sagte Gabriel heute in Berlin. Dies sei die zweite Runde an "leistungslosen Gewinnen" nach der kostenlosen Zuteilung der Verschmutzungszertifikate. Die Verbraucher rief er auf, den Anbieter zu wechseln. "Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das ist ziemlich einfach", sagte er.

Gabriel warb damit für eine Kampagne des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen zum Stromanbieterwechsel und zum Energiesparen. "Jeder Wechsel lohnt sich", sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes, Gerd Billen. Zum Jahreswechsel würden bundesweit 318 Stromversorger ihre Preise anheben. Die Erhöhungen lägen im Durchschnitt bei 8 bis 10 Prozent, in Einzelfällen erreichten sie sogar 25 Prozent. Die von den Anbietern stets genannte Begründung der höheren Bezugskosten hält er für vorgeschoben. In fast allen Städten gebe es mittlerweile Anbieter, die günstiger seien als der Grundversorger. Zwischen 50 und 240 Euro könnten Haushalte dadurch jährlich sparen.

Billen zeigte sich erfreut, dass immer mehr Verbraucher von der Wechselmöglichkeit Gebrauch machten. Hierzu trügen auch die großen Stromkonzerne bei, die mit immer neuen Preiserhöhungen und Kraftwerkspannen an ihrem schlechten Image arbeiteten. Neben dem Wechsel des Anbieters riet Billen Verbrauchern, Strom einzusparen. Ein Drei-Personen-Haushalt könne beispielsweise jährlich rund 65 Euro einsparen, wenn die Stand-By-Funktion beim Fernseher ausgeschaltet, sechs Lampen im Haus durch Energiesparbirnen ausgetauscht, pro Woche zwei Maschinen Wäsche bei 40 statt bei 60 Grad gewaschen und die Föhnzeiten verkürzt würden.