Studie

Gabriel: Kein Umwelt-Vorteil für Atomstrom

Atomstrom ist nach einer vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebenen Studie weniger klimafreundlich, als von den Befürwortern behauptet, da bei der Urangewinnung erhebliche Mengen Treibhausgas frei werde. Umweltfreundlicher sei ein Gas-Blockheizkraftwerk, da dieses neben Strom auch Wärme erzeugt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin/München (ddp/sm) - Die Treibhausgase, die bei der Urangewinnung frei werden, liegen weit über denen der erneuerbaren Energien wie Windkraft, Wasserkraft oder Biogas, fand das Öko-Institut heraus, wie das Ministerium mitteilt. Aber auch ein Blockheizkraftwerk auf Erdgas-Basis könne "locker mit der CO2-Bilanz von Atomstrom mithalten", sagte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Der Studie zufolge produziert ein deutsches Atomkraftwerk je nach Herkunftsort des Urans zwischen 31 und 61 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom. Niedrigere Emissionen verursachen Windkraft (23 Gramm) und Wasserkraft (39 Gramm). Nur die Photovoltaik liege mit 89 Gramm CO2 pro Kilowattstunde noch leicht darüber. Der vermeintliche Klimaschutzvorteil relativiere sich weiter, weil Haushalte neben Strom auch Wärme brauchten, die aus Abwärme bei der Stromproduktion stammen kann. Wer Atomstrom beziehe, müsse den Wärmebedarf anderweitig decken, etwa durch Öl- oder Gasheizungen.

Ein kleines Gas-Blockheizkraftwerk, das Strom und Wärme erzeugt, kommt demnach auf 747 Gramm CO2 bei der Produktion von einer Kilowattstunde Strom und zwei Kilowattstunden Wärme. Für die Kombination Atom-Ölheizung errechnete das Öko-Institut 772 Gramm CO2 und für ein Biomasse-Blockheizkraftwerk 228 Gramm CO2. "Aus Klimaschutzgründen brauchen wir also nicht mehr Atomstrom, sondern mehr Kraft-Wärme-Kopplung", betonte Umweltminister Gabriel.

CSU wirft Gabriel "klimapolitischen Offenbarungseid" vor

In der CSU stoßen Aussagen des Bundesumweltminister auf scharfe Kritik. CSU-Generalsekretär Markus Söder warf dem Minister vor, "alte SPD-Ideologien schön zu rechnen". Er betonte: "Das ist der klimapolitische Offenbarungseid von Gabriel - denn die Kernenergie ist einer der C02-freundlichsten Energieträger."

"Eine Verlängerung der Laufzeit der bestehenden Kernkraftwerke um acht Jahre würde eine Milliarde Tonnen CO2 einsparen", so Söder. Wer dies leugne, versündige sich am Klimaschutz.