Für günstigen Strom

Gabriel: Industrie braucht weiter Kohlestrom bei Atomausstieg

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht in der Kohle noch für viele Jahre eine unerlässliche Energiequelle. Die Industrie brauche günstigen Strom, der nur mit Kohle oder Kernkraft zu erzeugen sei, man könne nicht gleichzeitig aus beidem Aussteigen. Aufgrund hoher Risiken der Atomreaktoren setzt er daher auf Kohle.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Wer wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace behaupte, man könne gleichzeitig aus Kohle und Kernkraft aussteigen, laufe "in eine Traumwelt" und veralbere die Öffentlichkeit, sagte Gabriel am Dienstagabend auf dem "51. Forum Pariser Platz" von Deutschlandradio Kultur und dem Fernsehsender Phönix. Man brauche allerdings effiziente und CO2-arme Kohlekraftwerke, um die Klimaschutzziele zu erreichen und müsse die alten Kraftwerke schließen.

Deutschland habe eine besondere Industriestruktur mit einer starken auf dem Weltmarkt führenden Grundstoffindustrie in den Bereichen Stahl, Aluminium, Zement, Chemie und Kraftfahrzeugbau, betonte Gabriel. Diese Industrien bräuchten preiswerten Grundlaststrom, der in den nächsten 10 bis 20 Jahren nur mit Kohle oder Kernkraft erzeugt werden könne. "Ich persönlich bewerte aber die Risiken der Kernenergie, vor allem von alten Reaktoren, als so hoch, dass ich ein entschiedener Befürworter des Ausstiegs bin", sagte der Minister.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn widersprach Gabriel. Es sei falsch, auf Kohlekraftwerke zu setzen, weil so die Klimaschutzziele nicht erreicht werden könnten. Höhn forderte den Ausbau großer, europaweiter Netze, in die unterschiedliche Anbieter Strom aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse einspeisen könnten - aus Wasserkraft in Norwegen ebenso wie aus Solarenergie aus Nordafrika. "Irgendwo in Europa wehe immer der Wind", sagte Höhn. Biomasse und Geothermie seien bereits heute grundlastfähig.