Streit um Atomenergie

Gabriel hält Debatte um Atom-Renaissance für "heiße Blase"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht weder in Deutschland noch weltweit eine Renaissance der Atomenergie. In ein paar Jahren werde sich zeigen, dass die Debatte darüber nur "eine heiße Blase" sei, sagte er. Die FDP kritisierte das Festhalten der SPD am Atomausstieg am Montag als "hysterisch".

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Gabriel verwies darauf, dass zurzeit weltweit immer noch mehr Atomkraftwerke abgeschaltet als neu gebaut würden. Während Neubauprojekte wie etwa in Finnland stockten und ständig teurer würden, müssten weltweit in den nächsten Jahren etwa 200 Atomkraftwerke aus Altersgründen stillgelegt werden. Kaum ein Unternehmen sei bereit, ohne staatliche Subventionen in ein Atomkraftwerk zu investieren.

Atomkraft ist kein Klimaschutz

Der Bundesumweltminister wandte sich gegen Versuche von CDU/CSU und FDP, die Nutzung der Atomkraft als Beitrag zu mehr Klimaschutz darzustellen. Es sei eine "Lebenslüge", wenn behauptet werde, mehr Kernkraftwerke ließen sich mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verknüpfen. Insofern werde bei der Bundestagswahl auch die Richtungsentscheidung darüber anstehen, "ob es weiter in Richtung erneuerbare Energien gehen wird oder in Richtung Atomstaat".

Als ein zentrales Argument gegen die Atomkraft nannte Gabriel die ungelöste Endlagerfrage: "Atomenergie ausbauen ohne ein Endlager ist, als stiegen Sie in ein Flugzeug und wüssten nicht, ob es irgendwo einen Flughafen mit einer Landebahn dafür gibt."

Scharfe Kritik von FDP

Die FDP-Energieexpertin Gudrun Kopp warf der SPD vor, einer verlässlichen Energieversorgung im Wege zu stehen. Es gebe bis heute kein konsistentes Energieprogramm der Bundesregierung, das Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz gleichrangig umfasse. Gabriels Klage über das Fehlen eines Atommüll-Endlagers sei "ausgesprochen dreist". "Bis zum heutigen Tag ist es die SPD, die die wissenschaftliche Eignungsprüfung des Salzstocks in Gorleben unterbindet", erklärte Kopp.