Atomkraft kein Königsweg

Gabriel glaubt nicht an Klimaschutz durch Kernkraft

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sieht in der Kernkraftnutzung kein großes Potenzial für den Klimaschutz. Atomstrom könne nur vier Prozentpunkte zur CO2-Minderung beitragen, sagte er der "Passauer Neuen Presse", nötig seien aber 40 Prozentpunkte.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Passau (ddp/sm) - Zudem warnte er davor, die Atomtechnik als "Königsweg" anzupreisen. "Das hören im Zweifelsfall auch energiehungrige, aber politisch wenig berechenbare Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Grenze zwischen der rein zivilen und der militärischen Nutzung der Atomtechnik zu ziehen, ist sehr schwer", sagte Gabriel.

Zur Zukunft von Kohlekraftwerken in Europa sagte Gabriel, wegen der ab 2013 noch schärfer werdenden Regeln des Emissionshandels lohne sich ihr Betrieb mittelfristig nur dann, wenn sie das produzierte Kohlendioxid abscheiden können oder über die besonders energieeffiziente Kraft-Wärme-Kopplung verfügen, bei der Strom und Wärme produziert wird. Der Umweltminister verteidigte zugleich den Beschluss Deutschlands, neun neue Kohlekraftwerke zu bauen. Da sie alte, ineffiziente Anlagen ersetzten, leisteten sie eine Beitrag zum Klimaschutz.

Gabriel zeigte sich optimistisch, dass die USA bei der UN-Klimakonferenz in Bali weltweiten Vereinbarungen zur Reduzierung von Treibhausgasen zustimmen werden. Die US-Wirtschaft habe begriffen, dass man mit Klimaschutz auch eine Menge Geld verdienen könne. "Die großen US-Konzerne wollen das riesige Marktpotenzial nicht allein den Europäern überlassen. Ich glaube, dass sich keine amerikanische Regierung auf Dauer diesem Argument entziehen kann", sagte Gabriel. Im Übrigen wolle die Bundesregierung mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass sich Wirtschaftswachstum und Klimaschutz miteinander vereinbaren lassen.