Interview

Gabriel: Europäisierung des Strommarktes erfordert neue Netze

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Hoffnungen der Energiekonzerne auf eine rasche Europäisierung des Strommarktes gedämpft. Er verwies darauf, dass dies nicht ohne einen deutlichen Ausbau der deutschen Netze möglich sei. Ansonsten verknappe sich hier der Strom und werde wieder teurer.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Richtig sei, dass mehr "Austausch zwischen den Ländern" nötig sei, sagte Gabriel am Donnerstag in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte". Das setze aber ein Stromangebot im Netz voraus, das nicht so funktioniere, dass bei Versorgungsproblemen in anderen europäischen Staaten "Strom aus Deutschland zu fast jedem Preis abfließt". In Deutschland werde auf diese Weise der Strom verknappt. "Knappes Angebot, große Nachfrage, die Preise gehen nach oben."

"Bevor wir über eine stärkere Öffnung der Kuppelstellen in Richtung Europa reden, müssen wir dafür sorgen, dass es mehr Anbieter gibt, die in Deutschland ins Netz einspeisen können", betonte Gabriel. Das aber setze voraus, dass "die Netze in Teilen deutlich ausgebaut" werden, sagte er und fügte hinzu: "Sonst machen wir den zweiten Schritt vor dem ersten, und der Verbraucher zahlt die Zeche."