Druck machen

G8-Gipfel: Umweltverbände fordern ein klares Signal für den Klimaschutz

Vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm wird der Ruf von Umweltorganisationen nach einem klaren Signal für den Klimaschutz lauter. Deutschland müsse eine Vorreiterrolle übernehmen, dabei sprachen sich die Verbände aber gegen die von der Union gewünschten Korrekturen am Atomausstieg aus.

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Berlin (ddp/sm) - Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens warnte in einem ddp-Interview vor "wachsweichen Kompromissen". Notwendig sei eine konkrete Verständigung über die Verringerung der Treibhausgase. Ähnlich äußerte sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Dessen Geschäftsführer Gerhard Timm mahnte, die G8-Staaten müssten sich zu dem Ziel bekennen, den globalen Temperaturanstieg auf unter zwei Grad gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Hierfür sei eine Verpflichtung nötig, die CO2-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken.

Timm fügte hinzu: "Wenn dies auf dem G8-Gipfel nicht erreicht werden kann, dann sollte man sich überlegen, ob man lieber gar kein Abschlussdokument hat." Er glaube zwar, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter Druck auf die USA machen werde. Die Frage sei aber: "Inwieweit ist die amerikanische Regierung in der Lage, sich zu bewegen?"

Behrens forderte, Deutschland als Gastgeber müsse eine Vorreiterrolle übernehmen und die C02-Emissionen um 40 Prozent bis 2020 senken. Die Greenpeace-Geschäftsführerin betonte: "Sollte es nicht zu konkreten Ankündigungen über Reduktionen der Treibhausgase kommen, also 30 Prozent G8 und 40 Prozent Deutschland, dann ist der Gipfel aus unserer Sicht gescheitert."

Behrens fügte hinzu: "Die Entwürfe des G8-Abschluss-Dokuments, die herumgeistern, verheißen nichts Gutes." Demnach beiße Merkel bei den USA auf Granit. Die Kanzlerin müsse "für diese Blockade durch die Bush-Regierung eine Lösung finden".

Keine Umkehr vom Atomausstieg

Eine "klare Absage" erteilte die Greenpeace-Geschäftsführerin dem Wunsch der Union nach Korrekturen am geplanten Atomausstieg. Behrens betonte: "Auch ohne längere Laufzeiten, ja sogar mit einem noch schnelleren Ausstieg als er zur Zeit vorgesehen ist, lassen sich die CO2-Emissionen in Deutschland um 40 Prozent reduzieren." Im Übrigen dürfe nicht vergessen werden, "dass Energieerzeugung mit Atomkraft eine Hochrisiko-Technologie ist, die uns radioaktiv strahlenden Abfall hinterlässt, von dem niemand weiß, wohin damit".

Auch Timm mahnte: "Die Gefahren der Atomkraft sind durch den Klimawandel nicht kleiner geworden." Deshalb dürften die Laufzeiten der Kernkraftwerke auf keinen Fall verlängert werden. Hierfür gebe es zudem "unter Klimagesichtspunkten keine Notwendigkeit". Studien zufolge könnten vielmehr die CO2-Reduktionsziele auch ohne Atomkraft erreicht werden.