Gefahr

G7 sind wegen Cyberangriffen auf Stromnetze besorgt

Bei dem Treffen der G7-Energieminister in Hamburg rückte ein Thema weit in den Vordergrund. Wie sicher sind die Stromnetze gegen Cyberattacken? Mit großem Bestreben soll der Schutz verbessert werden. Wie ist es eigentlich um die Sicherheit der deutschen Stromnetze bestellt?

Strom Netzausbau© Thorsten Schier / Fotolia.com

Hamburg (dpa/red) - Mit dieser Libelle war nicht zu spaßen, das wissen auch die G7-Energieminister im feinen Hotel Atlantic an der Hamburger Alster. Vor einem Jahr trieb "Dragonfly" rund um den Globus ihr Unwesen - eine mutmaßlich osteuropäische Hacker-Gruppe hatte unter diesem Codewort eine Spionage-Software in die Computer von über 1.000 Energieunternehmen in gut 80 Ländern eingeschleust. Betroffen von Sabotage waren in den USA und Europa auch Betreiber von Stromnetzen, ermittelte die US-Firma Symantec.

Energieversorgung könnte zum Schwachpunkt werden

Größere Schäden richtete die Cyber-Libelle zwar nicht an. Die Energieversorgung kann in Zeiten von Cyber- und islamistischen Terrorbedrohungen aber rasch zur Achillesferse der westlichen Industrieländer werden. Kein Wunder, dass das Thema weit nach oben gerutscht ist auf der Agenda von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und seinen Kollegen aus den USA, Großbritannien, Japan, Frankreich, Italien und Kanada beim Treffen in Hamburg. Damit wurde der G7-Gipfel im Juni auf Schloss Elmau vorbereitet.

In der Abschlusserklärung wird betont: "Wir verpflichten uns dazu, die Cyber-Sicherheit im Energiebereich zu verbessern." Das klingt erstmal wolkig - aber geplant sind gemeinsame Analysen von Attacken und entsprechende Nachbesserungen. US-Energieminister Ernest Moniz kündigt auch Beratungen mit den Chefs führender Energie- und Stromnetzunternehmen in den Industriestaaten an.

Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland

Wie ist hier Deutschland gewappnet? Ein Sprecher des ost- und norddeutschen Netzbetreibers 50Hertz betont, eine Verbindung des Prozessnetzwerks zur Stromnetzsteuerung mit dem Internet werde vermieden - zudem gebe es Schutzmaßnahmen beim Zugriff auf die sicherheitsrelevanten Systeme. In die Leitzentrale bei Berlin kommt man nur nach Scannen des Handabdrucks rein - hier wird die Versorgung von immerhin 18 Millionen Bürgern gesteuert.

Vernetzung als Gefahrenpunkt

Aber zum Problem könnte die immer stärkere Vernetzung von Geräten und die Umstellung auf digitale Strominfrastrukturen darstellen. "Intelligente Netze sind viel anfälliger für Cyber-Kriminalität", sagt Gabriel. "Die Bedrohung trifft alle Staaten gleichermaßen". Der Thriller "Blackout" von Marc Elsberg wird von Experten als gar nicht so unrealistisch angesehen: Durch die Manipulation von Stromzählern brechen an einem kalten Februartag nach und nach in Europa die Stromnetze zusammen - mit verheerenden Folgen.

Meldepflicht bei Vorkommnissen

Allerdings gibt es bisher in Deutschland - anders als etwa bei Zwischenfällen in Atomkraftwerken - keine Meldepflicht für Cyberattacken. Das soll mit dem IT-Sicherheitsgesetz geändert werden - das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik soll "unverzüglich erhebliche Störungen" der Bundesnetzagentur melden, heißt es im Entwurf. Eine ganz andere Herausforderung ist in Deutschland das Fitmachen der Netze für die steigende, je nach Wetter stark schwankende Einspeisung von Wind- und Solarstrom. Aber die Sonnenfinsternis wurde jüngst problemlos gemeistert.

Weitere Ereignisse bei dem G7-Treffen

Gabriel warb für den Ausbau erneuerbarer Energien als Vehikel für mehr Unabhängigkeit zum Beispiel von russischem Erdgas. Doch seinen Helikopterausflug zur Eröffnung des Windparks Nordsee Ost musste er alleine gestalten, die anderen Minister waren verhindert oder blieben lieber in Hamburg. Im Tagungshotel Atlantic kletterten nachts Greenpeace-Aktivisten auf das Vordach. Ihre Botschaft auf einem Banner: "G7: Stoppt Kohle und Atom". Weltweit gingen rund 60 Prozent des Atom- und 30 Prozent des Kohlestroms auf das Konto der G7-Länder.

Quelle: DPA