Innovativ

Fußballspielen erzeugt Strom in Rio

In Rio ist der Strom knapp, immer wieder kommt es zu Ausfällen. Das Fußballspielen am Abend war dadurch ein Problem. In einem Stadion in der brasilianischen Hauptstadt aber sorgt gerade das Spielen an sich dafür, dass der Platz ausgeleuchtet ist.

FußballIn einem Stadion in Rio sorgen die Fußballspieler für den Strom, mit dem das Feld beleuchtet wird.© Vitaly Krivosheev / Fotolia.com

Rio de Janeiro (dpa/red) - In der Favela Morro da Mineira mitten in Rio de Janeiro liegt umgeben von übereinander gebauten Häuschen wie ein Ufo ein grell beleuchteter grüner Kunstrasenplatz. Es gibt eine Steintribüne und sechs Flutlichtmasten. So weit, so normal.

Doch unter dem Grün sind 200 Kinetik-Platten verbaut worden, die sieben Watt Strom erzeugen können, wenn die Spieler darüber laufen.

Beim Fußballspielen Strom erzeugen

In der Stadt, wo im August die Olympischen Spiele eröffnet werden und wo für viel Geld neue Stadien gebaut worden sind, ist das eine simple Lösung eines Energieproblems, wie es gerade in den Armenvierteln verbreitet ist. Jeder Schritt wird automatisch in elektrische Energie umgewandelt, Strom produziert und in einem Speicher am Rande des Fußballplatzes gespeichert. "Wenn wir nicht spielen, geht das Licht irgendwann aus", sagt Jackson Peçanha, der hier der Platzwart ist.

Abends kann wieder gespielt werden

Die gespeicherte Energie reiche meist für zwei Stunden. So kann hier jeden Abend gespielt werden, die fehlende Energie oder Stromausfälle, die das zuvor unterbanden, gehören der Vergangenheit an. Die Kinder machen Purzelbäume, selbst das erzeugt Energie. Immer abends - von 20 Uhr an - wird der Platz bevölkert und die Fußballer vergessen irgendwann, dass sie hier ein laufendes Kraftwerk sind. Als Backup sind noch Solarpanels auf dem Tribünendach. Immer sonntags gibt es ein Turnier.

Kicker-Verabredungen per WhatsApp

Nenel Silva (38) ist Präsident der Mannschaft "Tirol". Woher der Name - kennt er die Region in Österreich? "Nein, noch nie von gehört. Wir waren auf der Suche nach einem Namen und es gibt hier in der Nähe ein Viertel, das so heißt." Er koordiniert den Spielbetrieb, vor allem die Turniere. Abends zum spontanen Kicken trommelt er seine Leute per WhatsApp zusammen. "Wir waren die ersten, jetzt gibt es so einen Platz auch in Nigeria", sagt Silva. "Das ist revolutionär. Unser Platz ist nun sehr bekannt, alle wollen hier spielen."

Technik ist noch nicht massenkompatibel

Zur Eröffnung 2014 kam sogar Brasiliens Fußballlegende Pelé - seither funktioniert die Technik nach Angaben der Kicker ohne Probleme. Ein Öl-Multi finanzierte die Energie-von-Morgen-Idee. Über die Kosten schweigt man sich aus - massenkompatibel scheint die Lauf-Energie bisher noch nicht zu sein - sonst gäbe es mehr dieser Projekte.

Nachfrage beim britischen Unternehmen Pavegen, dessen Gründer Laurence Kemball-Cook mit der Platten-Idee die Energieversorgung revolutionieren will. "Sobald die Technologie einem Preis von Standardplatten entspricht, können wir einen wesentlichen Beitrag zur Energieerzeugung liefern", sagt Sprecherin Sanaa Siddiqui in London. "Das Potenzial für die kinetische Energie im städtischen Umfeld, wo es jede Woche Millionen von Schritten gibt, ist riesig."

Weltweit rund 100 ähnliche Projekte

Rund 100 Projekte hat man realisiert, neben dem weiteren Fußballplatz in Lagos auch am Flughafen London Heathrow, wo das Licht in einem Terminalteil durch Schritte der Passagiere erzeugt wird. Wenn die Technologie sich durchsetzt, würde sie auch enorme Datenmengen liefern können; wo sich wann wie viele Menschen bewegen. Die Verbindung von Sport und Stromerzeugung im Boden wie in Rio könnte eine Zukunftsoption sein: In den Niederlanden gibt es auf einem Radweg in Krommenie einen 70 Meter langen Abschnitt mit Solarzellen unter Glasplatten. In einem Jahr wurde immerhin so viel Solarenergie produziert, um drei Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Quelle: DPA