Krebsrate

Fukushima: Abschätzung der gesundheitlichen Folgen

Die internationale Ärztevereinigung IPPNW hat eine Abschätzung vorgelegt, inwiefern die Atomkatastrophe in Fukushima vor zwei Jahren gesundheitliche Auswirkungen auf die Bevölkerung hat. Den Informationen zufolge gibt es neben einem Rückgang der Geburtenrate auch eine erhöhte Säuglingssterblichkeit. Zudem ist die Menge der Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern gestiegen.

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Berlin (red) - Besonders erschreckend seien die jüngsten Zahlen über Schilddrüsenzysten und -knoten bei mehr als 55.000 Kindern allein in der Präfektur Fukushima. Anders als bei Erwachsenen seien derartige Schilddrüsenveränderungen bei Kindern "als Krebsvorstufen" anzusehen, so der ehemalige Chefarzt der Herforder Kinderklinik, Dr. Winfrid Eisenberg, einer der Autoren der IPPNW-Studie. Die Ärzteorganisation empfiehlt daher eindringlich, in ganz Japan systematische Schilddrüsenuntersuchungen bei Kindern durchzuführen.

Prognosen immer mit Unsicherheiten behaftet

Prognosen über die zu erwartenden Krebserkrankungen seien allerdings mit vielen Unsicherheiten behaftet, so die Organisation. Eine ungefähre Dimension der Folgen der Nuklearkatastrophe könne der Öffentlichkeit jedoch näherungsweise jedoch schon gezeigt werden.

Schätzung: Bis zu 80.000 Krebsfälle

Aufgrund von Daten über die Bodenkontamination rechnet man mit rund 20.000 bis 40.000 zusätzlichen Krebsfällen durch die Strahlenbelastung in Japan. Nach neueren Erkenntnissen müsse man sogar von bis zu 80.000 Erkrankungen ausgehen.

Nach einer im Februar veröffentlichten Studie der WHO ergeben sich andere Schlüsse. Es werde außerhalb der am stärksten betroffenen Gebiete keine signifikante Erhöhung der Krebsrate geben, ist dort zu lesen. Innerhalb der Präfektur Fukushima jedoch habe sich das Krebsrisiko für bestimmte Bevölkerungsgruppen erhöht, etwa das Leukämie- und Schilddrüsenkrebs-Risiko für Kleinkinder und das Brustkrebsrisiko für Frauen.

IPPNW-Mitglied Dr. Alex Rosen erklärt in seiner Analyse, dass die WHO von fehlerhaften Annahmen ausgehe und lediglich ausgewählte Gebiete in der Präfektur Fukushima in den Blick genommen habe.