Studie

Für Windkraft-Ausbau ist mehr Platz als nötig

Deutschland verfügt einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge über genug Fläche, um seinen Strombedarf mehrfach ausschließlich über Windkraftanlagen auf dem Festland zu decken. Bis zu 13,8 Prozent der Landesfläche könnten für Windenergie genutzt werden, ohne Abstriche beim Lärmschutz und Naturschutz zu machen.

Windräder© toddarbini / iStockphoto.com

Dessau (AFP/red) - Das ergab die am Dienstag veröffentlichte Studie im Auftrag des UBA. Bundesweit bestehe daher "großer Gestaltungsspielraum" für den Ausbau von Windkraft.

Die potenziell mit Windrädern bebaubare Landesfläche von 13,8 Prozent ergebe sich, wenn zu Wohngebieten ein Mindestabstand von 600 Metern eingehalten werde, hieß es in der UBA-Studie. Dies würde den Vorgaben des Gesetzes und von Verwaltungsgerichten entsprechen. Ausgeklammert worden seien aus den Berechnungen auch Nationalparks und Naturschutzgebiete, Straßen, Wasserflächen und Flughäfen. Für den besonderen Artenschutz notwendige Flächen wie Vogelbrut- oder Vogelraststätten hingegen hätten nicht berücksichtigt werden können, die etwa auch außerhalb von Schutzgebieten lägen.

Ausreichend Fläche selbst bei verschärften Vorgaben

Werde der Mindestabstand zu Wohngebieten auf 1,2 Kilometer verdoppelt, stünden noch immer 3,4 Prozent der Landesfläche zu Verfügung, hieß es in der Untersuchung des Umweltbundesamtes. Auch dies sei "mehr als ausreichend". Die Berechnungen fußten auf der Nutzung von Windrädern, die auch bei schwächerem Wind Strom erzeugen könnten. Die Studie erstellte das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik im Auftrag des UBA.

Mit der Studie solle nicht belegt werden, dass durch die Erzeugung von Windenergie auf Land andere erneuerbaren Energiequellen verzichtbar seien, erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. "Trotz des hohen Windenergiepotenzials an Land ist die Kombination mit anderen regenerativen Energiequellen, wie Photovoltaik und Windenergie auf See, wichtig und sinnvoll." Nur mit einem geeigneten Mix an erneuerbaren Energiequellen könnten Schwankungen in der Stromproduktion angemessen ausgeglichen werden.

Windstrom sei die zweitgünstigste Ökostrom-Form

Mit der Studie werde aber auch gezeigt, "dass beim Ausbau der Windenergie an Land Spielraum besteht", erklärte Flasbarth. Für eine vollständige Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen seien Windenergieanlagen besonders wichtig. Windenergie an Land sei - nach der Wasserkraft - die günstigste Form erneuerbarer Energie. Eine Kilowattstunde Windstrom koste bereits heute rund acht Cent und damit nur etwas mehr als Energie aus Kohle oder Gas.

UBA-Präsident Flasbarth forderte aber darüber nachzudenken, in welcher Größenordnung die Offshore-Windenergie weiter ausgebaut werden solle. Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der Studie sei es aus Kostengründen ratsam, "die Mengenziele für die Offshore-Windkraft abzusenken", hatte Flasbarth am Montag "Spiegel Online" gesagt. Industriepolitisch sei es dennoch sinnvoll, die Technik für Hochsee-Windräder weiter zu entwickeln.

Quelle: AFP